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Propaganda oder Verständigung?

Instrumente französischer Kulturpolitik in Südbaden 1945-1949

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Daniela Högerle

Die unmittelbaren Nachkriegsjahre sind in der französischen Besatzungszone von einer außergewöhnlichen Blüte des kulturellen Lebens gekennzeichnet. Von Theater- und Kinovorstellungen über Konzerte und Ausstellungen wurde der Bevölkerung eine Vielzahl an Veranstaltungen geboten. Verlage, Volkshochschulen, Centres de Documentation und Instituts Français wurden gegründet und leisteten einerseits einen Beitrag zur Demokratisierung und Umerziehung der Deutschen, andererseits dienten sie dem deutsch-französischen Austausch und der Verbreitung der französischen Kultur. Ein besonders wichtiger Aspekt französischer Kulturpolitik war die Steigerung des französischen Prestiges. Kultur wurde sowohl als Propagandainstrument als auch als Mittel der Verständigung eingesetzt. Vor dem Hintergrund der Intention der französischen Kulturpolitik steht deren Realisierung im Mittelpunkt der Arbeit. Am Beispiel der Stadt Freiburg im Breisgau wird der Fragestellung nach der Umsetzung der Kulturpolitik und der Resonanz auf die vielfältigen kulturellen Aktivitäten nachgegangen.

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3. Freiburg – Hauptstadt des Landes Baden

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Freiburg kam eine besondere Rolle in Südbaden zu. Sie war nicht nur Bischofs- und Universitätsstadt, sondern auch bis 1952 Hauptstadt des Landes Baden mit Leo Wohleb als Staatspräsidenten und seit 10. Juli 1945 Sitz der französischen Militärregierung für Baden – das heißt nicht nur zahlreiche Dienststellen der französischen Militärregierung quartierten sich in Freiburg ein, sondern auch die deutsche Landesverwaltung – eine Tatsache, die zahlreiche Probleme für die Bevölkerung in der unmittelbaren Nachkriegszeit mit sich brachte.275 Die Nach- kriegssituation in Freiburg kann nicht losgelöst von der Not der Bevölkerung betrachtet werden. Daher soll nachfolgend kurz skizziert werden, wie die Lage der Freiburger Bevölkerung unmittelbar nach Kriegsende aussah und unter wel- chen Bedingungen sich die französische Besatzungsmacht einrichtete. Beides hatte unmittelbaren Einfluss auf das Verhältnis zwischen Besatzern und Besetz- ten. 3.1. Die unmittelbare Nachkriegssituation in Freiburg – Hunger und Wohnungsnot Die französischen Streitkräfte marschierten am Abend des 21. April 1945 in Freiburg ein. Die Stadt war den Franzosen nahezu kampflos mit geringem Wi- derstand überlassen worden – wohl angesichts der ausweglosen Situation, um noch mehr Leid zu verhindern.276 275 Haumann, Heiko/Schadek, Hans (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg. S.395 oder in: Strauß, Christof: Freiburg im Breisgau als Hauptstadt des Landes Baden – der Not geschuldet, die Not verwaltend, in: Moersch, Karl/Weber, Reinhold (Hrsg.): Die Zeit nach dem Krieg: Städte im Wiederaufbau. Schriften zur politischen Landeskunde Ba- den-Württembergs. Bd. 37, Stuttgart 2008. S.59. Am 19. September 1945 wurde in...

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