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Wie von Gott reden?

Ansätze der Theologie im 20. Jahrhundert

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Hanjo Sauer

Das 20. Jahrhundert zeichnet sich durch tief greifende Umbrüche in der Theologie aus. In sehr unterschiedlichen Ansätzen suchen Theologen und Theologinnen unter den Bedingungen ihrer Zeit das Geheimnis Gottes zur Sprache zu bringen. In dreißig Porträts werden diese Ansätze mit besonderer Berücksichtigung der Verflechtung von Biografie und Werk kurz dargestellt. Neben ausführlichen Literaturhinweisen ist jeweils ein Originaltext beigefügt. So soll deutlich werden, welche Herausforderung es darstellt, authentisch von Gott zu reden.

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30. Die Kirche wird neu geboren. Leonardo Boff (* 1938)

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30. Die Kirche wird neu geboren Leonardo Boff (* 1938) Mit dem Neuaufbruch des Zweiten Vatikanischen Konzils und einer neuen Beachtung des gesellschaftlichen Horizonts, in den der Verkündigungsauf- trag der Kirche gestellt wird, entsteht eine neue Sensibilität der Theologie für die großen sozialen und politischen Herausforderungen. Den Skandal einer weltweiten Armut, die Menschen ihrer Würde beraubt, und die nicht länger als gottgewolltes Schicksal missverstanden werden darf, sondern de- ren Ursachen in Unterdrückungsverhältnissen gesucht werden muss, hat insbesondere die in Lateinamerika entstandene Theologie der Befreiung zum Thema gemacht. Leonardo Boff gehörte zu ihren weltweit bekanntes- ten Vertretern. Intensiver als andere befasste er sich jedoch auch mit Fra- gen der Ekklesiologie. Er sah die Kirche vor allem unter der dynamischen Perspektive der „Ekklesiogenesis“, also eines andauernden Prozesses des jeweils neuen Heranwachsens und des Aufbaus von Gemeinden, und nicht so sehr unter dem Gesichtspunkt einer permanenten Legitimation des Be- stehenden, als die sich eine fundamentaltheologische Ekklesiologie weithin verstand bzw. missverstand. Der Bruch, den die Vertreter des Lehramts der offiziellen römisch-katholischen Kirche mit Leonardo Boff und seiner Theo- logie vollzogen, gehört zu den großen theologischen Tragödien des vergan- genen Jahrhunderts. Als Tragödie ist dieser Bruch nicht zuletzt deswegen zu bezeichnen, weil es nicht gelungen ist, das biblischem Denken so nahe stehende Anliegen der Vertreter der Befreiungstheologie im Allgemeinen und jenes von Leonardo Boff im Besonderen gesamtkirchlich zu integrie- ren. Hier ist nicht der Ort, über Versäumnisse, Missverständnisse, Fehler und...

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