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Die Jakobiner in Österreich

Verfassungsdiskussionen in der Habsburgermonarchie zur Zeit der Französischen Revolution

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Lucian Maximilian Röthlisberger

1794/95 fanden in der Habsburgermonarchie im größeren Rahmen Prozesse gegen als gefährliche Verschwörer eingestufte Sympathisanten der Französischen Revolution statt. Die vorliegende Untersuchung befasst sich mit den Einflüssen der politischen Entwicklung in Frankreich auf diese sogenannten Jakobiner, dargelegt anhand von Beispielen ihrer politischen und rechtlichen Ansichten aus den erhaltenen Prozessakten, und hinterfragt die tatsächliche Gefährlichkeit dieser Personen. Dabei lässt sich ein maßgeblicher Einfluss der revolutionären Geschehnisse und der aufgeklärten Literatur eindeutig nachweisen. Doch auch der aufgeklärte Absolutismus hat eine wichtige Rolle gespielt.

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2.1 Vorbemerkung Die Ansichten der in die „Jakobinerverschwörung“ verwickelten österreichi- schen Demokraten sind nicht immer leicht zu analysieren, weil die einzige Quel- le, die zur Verfügung steht, oft die Vernehmungsprotokolle der Untersuchungs- kommission sind. Selbstverständlich darf man nicht davon ausgehen, dass alles, was die Beschuldigten während der Verhöre zu Protokoll gegeben haben, auch tatsächlich der Wahrheit entspricht. Aber auch die erhaltenen Schriftstücke von der Hand der „Jakobiner“ geben nicht immer eindeutig Aufschluss über ihre konkreten politischen Vorstellungen – sofern sie überhaupt über konkrete Vor- stellungen verfügten, die über den Wunsch nach einem parlamentarischen Rechts- und Verfassungsstaat, oder einfach nur ein vages „Freiheit und Gleich- heit wie in Frankreich“, hinausgingen. Vor allem über gemäßigte Demokraten wie zum Beispiel Wolstein oder Dirnböck gibt es wenig Quellenmaterial. Von anderen stehen noch mehr Schriftstücke zur Verfügung. Zwar ist bei- spielsweise von Andreas Riedel offenbar nicht alles erhalten geblieben, was er im Laufe der Zeit geschrieben hat, doch existieren nach wie vor die wichtigsten Dokumente, auf denen die Anklage auch hauptsächlich beruhte. Darin macht er sich vor allem über verfassungsrechtliche Fragen Gedanken; die Idee der Volks- souveränität scheint in seiner Vorstellungswelt eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Im Vergleich dazu muten Ignaz von Martinovics‘ Vorstellungen beinahe konservativ an, hingegen ist bei diesem ungarischen Demokraten neben seinen staatsrechtlichen Gedanken speziell das Nationalitätenproblem von Interesse, mit dem er sich im Rahmen seines Verfassungsentwurfes für einen ungarischen Staat beschäftigt. Bei Franz...

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