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Frühe Formen musikalisch-rhetorischer Figuren

Ausdrucks- und Gestaltungsmittel in Vokal- und Instrumentalmusik des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts

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Nora Verena Hülsen

Ausgehend von der Musica poetica Joachim Burmeisters werden in dieser Arbeit musikalisch-rhetorische Figuren als verbreitetes Phänomen schon des 16. Jahrhunderts untersucht. Dabei läßt sich ein Bogen schlagen von der frankoflämischen Schule über die beiden Gabrieli in Venedig bis hin zu deren Schülern, zu Schütz und schließlich bis zu Monteverdi. In dieser Epoche und bei diesen Komponisten werden Grundzüge, Figuren-«Vorläufer», Tendenzen, Ausdifferenzierungen und Entwicklungen aufgezeigt. Unter Einbeziehung zeitgenössischer theoretischer Traktate, die immer mehr Regeln zur Textvertonung bieten, wird verdeutlicht, daß die Grundgedanken der Burmeisterschen Lehre längst nicht nur in der Praxis verankert waren. Dabei bleibt selbstverständlich die Nähe von Seconda pratica und musikalisch-rhetorischen Figuren nicht unberücksichtigt, ebenso wie der Affektausdruck in der Instrumentalmusik.

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Vorwort

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Die Lehre von den musikalisch-rhetorischen Figuren wird gewöhnlich als Leistung einer musikalischen Praxis und theoretischen Systematisierung zugewiesen, die sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts vor allem in Mitteldeutschland herausgebil- det hatte. Es scheint sich um eine musikalische Ausdrucksweise und Anwendung gehandelt zu haben, die die Komponisten von Schütz bis Johann Sebastian Bach in besonders eindrücklicher Weise auszeichnen. Natürlich war durch einige wenige Untersuchungen bereits der Frage nach- gegangen worden, bei welchen Komponisten ab der zweiten Hälfte des 15. Jahr- hunderts – also mit dem Erscheinen der ersten Werke der franko-flämischen Meister – auch Kompositionsmerkmale zu erkennen sind, die ein enges Zusam- mengehen von Textinhalt und musikalischer Gestaltung nach den quintilianischen Regeln praktizierten. Es waren dies zumeist Arbeiten, die sich nur mit Beispielen aus der Vokalmusik beschäftigten. In der vorliegenden Arbeit, die das gesamte Vokabular der später formulier- ten musikalisch-rhetorischen Formen zu Hilfe nimmt, soll untersucht werden, ob die Komponisten (und Musiktheoretiker) seit dem 15., aber vor allem dem 16. Jahrhundert, nicht auch schon nach den Gesetzmäßigkeiten eines gewissen Re- pertoires an Figuren vorgingen, ohne diese mit Hilfe der späteren Nomenklatur zu bezeichnen. Die Autorin beschränkt sich bei ihren gefundenen Beispielen nicht nur auf solche aus der Vokalmusik, sondern sie kann einige von ihnen auch in der Instrumentalmusik nachweisen. Somit dient diese Untersuchung nicht nur zur Ausweitung des Anwendungs- zeitraums allgemein, sondern verweist auch darauf, daß ein solch markantes Phänomen niemals seine plötzliche Existenz offenbart. Eher kann man von einem...

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