Show Less

Frühe Formen musikalisch-rhetorischer Figuren

Ausdrucks- und Gestaltungsmittel in Vokal- und Instrumentalmusik des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts

Series:

Nora Verena Hülsen

Ausgehend von der Musica poetica Joachim Burmeisters werden in dieser Arbeit musikalisch-rhetorische Figuren als verbreitetes Phänomen schon des 16. Jahrhunderts untersucht. Dabei läßt sich ein Bogen schlagen von der frankoflämischen Schule über die beiden Gabrieli in Venedig bis hin zu deren Schülern, zu Schütz und schließlich bis zu Monteverdi. In dieser Epoche und bei diesen Komponisten werden Grundzüge, Figuren-«Vorläufer», Tendenzen, Ausdifferenzierungen und Entwicklungen aufgezeigt. Unter Einbeziehung zeitgenössischer theoretischer Traktate, die immer mehr Regeln zur Textvertonung bieten, wird verdeutlicht, daß die Grundgedanken der Burmeisterschen Lehre längst nicht nur in der Praxis verankert waren. Dabei bleibt selbstverständlich die Nähe von Seconda pratica und musikalisch-rhetorischen Figuren nicht unberücksichtigt, ebenso wie der Affektausdruck in der Instrumentalmusik.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

5. Schlußfazit

Extract

Die eingangs aufgestellte These, daß musikalisch-rhetorische Figuren nicht nur bei Orlande de Lassus vorhanden, sondern weit verbreitet waren, daß sie sich ausdifferenzierten und ihre Zahl zunahm, ließ sich – wie schon in den Zwischen- fazits gesehen – vor allem anhand der Textvertonungen zu Trauer, Schmerz und Klage bestätigen. Ebenso konnten melodische Wendungen ausgemacht werden, die als Vorläufer späterer musikalisch-rhetorischer Figuren (beispielsweise der Exclamatio oder des Passus duriusculus) gelten können, sowie eine symbolische, textdeutende Verwendung von Instrumenten. Es konnte festgestellt werden, daß die aufkommende reine Instrumentalmusik sich bereits der gleichen Mittel zum Affektausdruck bediente wie die Vokalmusik. Zwar mußte der Überblick über etwa ein Jahrhundert ,Entwicklungsgeschichte’ in Form von mehreren Detailbe- trachtungen gegeben werden, nichtsdestotrotz darf er auch aufgrund der Wahl der Komponisten und der Vergleichbarkeit vieler zugrundeliegender Texte als repräsentativ gelten. Am Ende gilt es nun, den großen Bogen zu schließen: Ausgangspunkt der Überlegungen war die Möglichkeit der weiten Verbreitung und wohldurchdachten Verwendung musikalisch-rhetorischer Figuren bereits in der frankoflämischen Schule, was bei den Komponisten der vierten und fünften Generation belegt und auch besonders bei deren ,Enkelschülern‘ gezeigt wurde. Zwischen den Lehrmei- stern und ihrer zweiten Schülergeneration stehen vermittelnd und erneuernd An- drea und Giovanni Gabrieli, die immer noch die Wortausdeutung im einzelnen betreiben, bei denen daneben aber auch die Prinzipien der Mehrchörigkeit und des Concertos in den Vodergrund treten, welche – wie zu sehen war – ebenso der Textausdeutung dienen, indem sie das Gewicht auf eine größere Struktur und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.