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Das Drama des Widerstands

Günther Weisenborn, der 20. Juli 1944 und die Rote Kapelle

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Hans-Peter Rüsing

Während in der BRD lange nur die bürgerliche, nationalkonservative Opposition der Männer des 20. Juli akzeptiert wurde, fand in der DDR lediglich der Widerstand der Arbeiter und Kommunisten ungeteilte Anerkennung. Günther Weisenborn hingegen würdigte bereits in seiner 1953 erschienenen Dokumentation Der lautlose Aufstand die gesamte Widerstandsbewegung des deutschen Volkes. Diesen exzeptionellen und wegweisenden Ansatz, der sich in der Historiografie erst in den achtziger Jahren durchsetzte, hat Weisenborn auch in seinen Widerstandsdramen verfolgt. Die interdisziplinäre Studie zeigt, wie der Schriftsteller und Dramaturg, der selbst Mitglied der Roten Kapelle war, versucht hat, die teilweise bizarre Rezeptionsgeschichte des Widerstandes gegen Hitler auf der Bühne des Theaters zu korrigieren.

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1. „Die Illegalen“ ‒ Der Widerstand der ‚kleinen Leute‘

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1.1 Entstehungsgeschichte und historischer Hintergrund: Kollektivschuld oder „anderes Deutschland“? Im Vorwort zu den „Illegalen“ schreibt Günther Weisenborn: „Dieses Schau- spiel wurde von einem überlebenden Zeugen als Denkmal einer illegalen Grup- pe während der Nächte dieses verzweifelten Winters in Erschütterung niederge- schrieben.“ (I 11)3 Weisenborn war Mitglied der Roten Kapelle.4 Wie er die Aufdeckung und Zerschlagung dieser Widerstandsorganisation überlebte, hat er im „Memorial“, aber auch in der 12. Szene seines Dramas „Klopfzeichen“ dar- gestellt.5 Das Stück „Die Illegalen“ verfasste er im Winter 1945/46. „Weisen- born hat (…) berichtet, daß ‚die ersten Szenen‘ bereits ‚während des Krieges‘ entstanden“. In einem Interview „soll er sogar erklärt haben (das sind aber wahr- scheinlich keine präzisen Angaben), daß er das Stück Anfang 1938 begonnen habe und 1942 ‚das fast vollendete Manuskript‘ verbrennen mußte.“6 Uraufge- führt wurde das Drama „am 21. März 1946 (…) am Berliner Hebbel-Theater, das Günther Weisenborn gemeinsam mit dem Regisseur Karl Heinz Martin ge- gründet hatte und wo er als Chefdramaturg arbeitete.“7 Im selben Jahr erschien das Stück als Buch.8 Weisenborns Formulierung, er habe das Stück „in Erschütterung niederge- schrieben“, signalisiert, dass der Autor noch keine Distanz zu den Ereignissen der Jahre 1942 und 1943 gefunden hatte. Die in diesem Zeitraum hingerichteten 3 Zitiert wird die Erstausgabe: Günther Weisenborn, Die Illegalen. Drama aus der deut- schen Widerstandsbewegung, Berlin 1946 (Sigle: I). 4 Zu Weisenborns Widerstandsaktivitäten in der Roten Kapelle siehe Nadine Willmann,...

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