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Zauberschwert und Teufelsmesser

Zur Kulturgeschichte von Messern und Klingen in der populären Erzähltradition

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Heinz Huther

Schneidende und stechende Werkzeuge, vom Messer bis zur Schere, Beil und Axt, und Hieb- und Stichwaffen wie Schwert, Säbel und Dolch sind in populären Volkserzählungen, insbesondere in Sage, Märchen und Schwank, unentbehrlich und als Reflex der in ihnen gespiegelten Lebenswirklichkeit fast allgegenwärtig. Die Texte und die ihnen gewidmete Forschung behandeln sie auffällig beiläufig, fast geringschätzig. Die zutreffende Bewertung ihrer Rolle setzt eine umfassende Bestandsaufnahme und den Vergleich ihrer Erscheinungsformen voraus. Die hiermit vorgelegte Bestandsaufnahme berücksichtigt ausgehend von den Märchen und Sagen des Altertums, des Mittelalters und der Neuzeit auch das europäische und das deutsche Kunstmärchen. Über 140 ausgewertete Sammelwerke dürften einen repräsentativen Überblick ermöglicht haben. Populäre Erzählungen fast aller Zeiten und Völker, insbesondere aber Märchen, schildern Zerstückelungen von Menschen und Tieren, vor allem Enthauptungen, was zu intensiven Diskussionen über die Zuträglichkeit solcher Themen nicht nur für Kinder führt. Die bisherigen Deutungen des Phänomens werden gesichtet, ergänzt und erweitert. Als wesentliche Funktionen schneidender und stechender Geräte kommen die des schlichten Werkzeuges in Betracht, die des Verbrechenswerkzeuges, aber auch – nicht selten als Teil einer magischen Dreiheit – die als Träger dieser Magie, als Brücke in das Reich des Jenseitigen und nicht zuletzt als Manifestation des Unbewussten. Linien in die Gegenwart volkstümlicher Literatur schließen die Gesamtschau ab.

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Märchen der Antike

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Nachdem die „Märchen“ aus Babylon und das Gilgamesch-Epos - beide grob gesprochen dem 3. Jahrtausend v. Chr. zuzurechnen - schon gesichtet sind, richtet sich der Blick wie von selbst auf die griechisch-römische Antike. Unter der Weltsicht von Mythos und Götterhimmel bildete sich zweifellos auch eine Vorliebe für Form und Inhalt des Märchenhaften aus, obwohl weder Griechen noch Römer eine spezielle Bezeichnung für die Erzählform „Märchen“ kannten. Platon spricht herablassend von Mutter- und Ammenerzählungen, und das be­ rühmte Märchen von Amor und Psyche nennt Apuleius selbst eine fabula anilis (= Altweibergeschichte). Doch enthält bereits die Odyssee Schiffermärchen. Da­ neben gibt es antike Liebes-, Tier-, Spuk-, Gespenster-, Zauber- und schließlich Reise- und Lügenmärchen. Ovid erzählt in seinen „Metamorphosen“ vom traurigen Geschick der Töchter Prokne und Philomela des athenischen Königs Pandion, der Prokne, die ältere der beiden, dem Thrakerkönig Tereus als Lohn für Waffenhilfe vermählt hatte. Als auch Philomela herangewachsen war, verliebte sich Tereus auch in diese, vergewaltigte sie und schnitt ihr, damit sie ihn nicht verraten könne, mit „einem scharfen Messer die Zunge aus dem Hals.“ Philomela gelingt es, ihre Schwester Prokne mit einem bestickten Tuch von der Schandtat zu unterrichten, die, nach­ dem beide Schwestern wieder vereint sind, ihren und des Tereus Söhnchen Itys mit einem Dolch regelrecht schlachtet, ihn brät und dem Vater vorsetzt. Zuletzt wirft sie dem entsetzten Vater den bluttriefenden Kopf des Kindes...

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