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«Des Menschen Herz faßt so unendlich viel»

Das Stammbuch des Volrat Graf zu Solms-Rödelheim und Assenheim- Edition mit Kommentar und Einführung

Julia Bastian

Das Stammbuch des Volrat Graf zu Solms-Rödelheim und Assenheim (1762-1818) ist geprägt durch das literarische Interesse seines Besitzers. Während seiner Reisen durch Deutschland und die Schweiz begegnete er zahlreichen Gelehrten und Schriftstellern. Das Stammbuch dokumentiert seine Bekanntschaft mit Sophie von La Roche, Christoph Martin Wieland sowie Mitgliedern des Göttinger Hainbundes. Gleichzeitig wirft es ein Schlaglicht auf die literarische Kultur des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Diese Edition bietet eine Transkription sämtlicher Texte mit Abbildungen. Der Kommentarteil und eine literarhistorische Einführung geben umfangreiche Informationen zu den Eintragungen und ihren Verfassern.

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2. Die Stammbuchkultur im Überblick

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2.1 Das Stammbuch als spezifische Sammelform Als Stammbuch7 bezeichnet man allgemein ein Album, in das sich auf Anfrage des Besitzers Freunde und Bekannte mit handschriftlichen Kurztexten und Bild- beiträgen einschreiben.8 Im Zuge der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Stammbüchern entwickelten sich verschiedene Ansätze zur genaueren Defi- nition. Eine konkretere Bestimmung des Gegenstandes lieferten deskriptive Un- tersuchungen durch eine Beschreibung der charakteristischen Merkmale. Ihr Fo- kus richtete sich auf die äußere Gestalt der Alben, ihre Inhalte in Form von Tex- ten und Bildern, die Besonderheiten im praktischen Gebrauch sowie die damit zusammenhängende funktionale Ausrichtung.9 Zudem versuchte man, durch ei- ne klassifikatorische Verortung der Alben und Einträge, das heißt ihre Zuord- nung zu gleichartigen Medien- oder Textformen, eine Definition zu geben. Aus- führungen, die vornehmlich das Stammbuch als Medium ins Auge fassten, be- stimmten es beispielsweise als „Buchgattung“, „Sammelhandschrift“ oder „An- thologie“. Die Stammbucheinträge selbst wurden unter anderem dem Bereich der „Gelegenheitsdichtung“ zugeordnet oder als „Gebrauchsliteratur“ und „Me- morialliteratur“ verstanden.10 Der Literaturwissenschaftler Werner Schnabel legte 2003 eine umfassende Studie zum Stammbuch und seiner Geschichte vor.11 Seine Arbeit zielt darauf, die verschiedenen disziplinären Ansätze in der Stammbuchforschung und die Ergebnisse von Einzelstudien zusammenzuführen und damit eine Gesamtdar- stellung des Untersuchungsgegenstandes zu liefern. Auf dieser Grundlage ge- langt er zu einer Definition, die beide obligatorischen Grundkomponenten, das 7 Neben der früh aufgekommenen und verbreiteten Bezeichnung „Stammbuch“ finden sich zahlreiche weitere Begriffe, wie zum Beispiel „Album“, „Philothek“ und „Album Amicorum“. Vgl. Schnabel 2003, S....

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