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Die Universität Berlin als Modell und seine Einflüsse in China von 1902 bis 1952

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Weihua Du

Der internationale und interkulturelle Transfer von Universitätsmodellen gehört zu den wichtigen Forschungsthemen in der Erziehungswissenschaft, wobei die historische Forschung in dem Bereich von großer Bedeutung ist. Dieses Buch analysiert den Transfer des in Berlin entwickelten Universitätsmodells nach China in der Zeit von 1902 bis 1952. Nach informativen Darstellungen der Rezeption des Modells auf medialem Weg, also der Verbreitung über chinesische Periodika, Lehrbücher und Monographien analysiert es die deutschen Einflüsse in der chinesischen Bildungsverwaltung und Bildungspolitik vor 1952. Zur Modernisierung des chinesischen Bildungssystems trugen chinesische Studierende bei, die sich nach ihrem Studium in Berlin bzw. in Deutschland im Verlauf ihrer späteren Karriere als Akteure in der chinesischen Ministerialbürokratie oder Universitätspräsidenten in ihren Reformmaßnahmen am Berliner Modell orientierten.

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2 Theoretische Grundlagen

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2.1 Institutionen In den heutigen Sozialwissenschaften wird die Institution als ein Regelsystem verstanden, das eine bestimmte Ordnung hervorruft.52 Diese Definition ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Institutions-Forschung in den USA als „New Institutionalism“ eine außergewöhnliche Wiederbelebung erfahren hat, die sich im Wesentlichen auf Entwicklungen innerhalb der Organisationssoziologie und der Politikwissenschaft zurückführen lässt.53 Vieles in Organisationen wird nicht aus Gründen der Effizienz, sondern zur Legitimation und Absicherung der Organisationen betrieben und muss daher beweisen, dass es den in der Gesellschaft etablierten oder institutionalisierten Ansprüchen an Solidität, Rationalität und Modernität genügt. Die Strukturen einer Organisation werden durch die Adaptation gesellschaftlich institutionalisierter Regeln geformt und erweitert. Diese Übereinstimmung mit den Erwartungen der Gesellschaft hat für Organisationen drei entscheidende Folgen: „Strukturelle Elemente werden übernommen, weil sie von der Außenwelt legitimiert sind und weniger wegen deren Effizienz; um den Wert von strukturellen Elementen zu bestimmen, benutzen Organisationen externe und nicht ihre eigenen Bewertungskriterien; institutionalisierte Elemente erhöhen die Stabilität der internen und externen organisationalen Beziehungen. Sie puffern mögliche Turbulenzen ab.“54 In der Forschung des Transfers vom Universitätsmodell ergeben sich viele strukturelle Abänderungen von Regeln, die den institutionalisierten Ansprüchen entsprechen müssen, aus ihrem Legitimationsdruck. Während der Umgestaltung der Institutionen wird das als richtig und vorbildlich bewiesene ausländische Universitätsmodell dahingehend als Bewertungskriterium betrachtet, ob die Reform der einheimischen Universität erfolgreich ist. Nach der Einführung des ausländischen Regelsystems ist...

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