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Dopingregeln im Pferdesport

Unter besonderer Berücksichtigung des World Anti-Doping Code

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Julia Dallmeier

Im Vergleich zum Humansport ist der tierische Athlet im Reitsport als gleichberechtigter Sportpartner den künstlichen Leistungssteigerungen ohne Mitspracherecht ausgesetzt. In Anbetracht der erheblichen Zunahme von Dopingfällen im nationalen und internationalen Reitsport mussten sich die Pferdesportverbände unter Berücksichtigung des World-Anti-Doping Codes materiell- und verfahrensrechtlich neu positionieren. Ziel dieser Arbeit ist es zu beleuchten, inwieweit die Regeln des WADA- und NADA-Codes, die in erster Linie für den Humansport konzipiert wurden und für den Pferdeport nur rudimentäre Regelungen enthalten, durch den nationalen und internationalen Pferdesportverband unter Beachtung des jeweils geltenden Rechts umsetzbar sind und inwieweit langen sowie kostenintensiven Dopingverfahren vor den staatlichen Gerichten zugunsten der Sportgerichtsbarkeit ein Ende gesetzt werden kann. Vor diesem Hintergrund gilt es einen internationalen Entscheidungseinklang in der sportrechtlichen Anti-Doping Rechtsprechung mithilfe der Sportschiedsgerichtsbarkeit weiter zu fordern und zu fördern.

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Zweiter Teil: Die Sportgerichtsbarkeit

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Mit der Kommerzialisierung und Globalisierung hat der Sport in den vergange- nen Jahrzehnten eine erhebliche Verrechtlichung erfahren. Dies wurde in der Vergangenheit vor allem durch eine gesteigerte Überprüfungsdichte verbandli- cher Entscheidungen bis hin zu einer Inhaltskontrolle der Verbandsregelwerke durch die staatliche Gerichtsbarkeit deutlich.475 Infolgedessen erstreckte das staatliche Recht seine Anforderungen zunehmend auf Bereiche, die die Sportver- bände zuvor in Eigenverantwortung selbst zu regeln pflegten.476 Darüber hinaus sind die Sportler in Anbetracht der weitreichenden pyrami- dialen Verbandsstrukturen immer seltener dazu bereit, Entscheidungen eines Verbandes zu akzeptieren, in dem sie über keinerlei korporative Mitbestim- mungsrechte verfügen.477 Dies gilt insbesondere dann, wenn Sport als Beruf be- trieben wird und die verhängten Sanktionen beträchtlichen Einfluss auf den Le- bensunterhalt der Betroffenen haben.478 Für einen Reiter, der sich vom nationalen oder internationalen Pferdesportverband zu Unrecht sanktioniert fühlt, stellt sich deshalb die Frage nach Mitteln und Wegen, um eine – vorzugsweise unabhängi- ge – Überprüfung der Verbandssanktionen zu veranlassen. Das fünfte Kapitel dieser Arbeit widmet sich daher zunächst den unterschied- lichen Rechtschutzmöglichkeiten, die einem deutschen Reiter, der sich mit einem Dopingvorwurf oder Medikationsverstoß konfrontiert sieht, gegen den sanktio- nierenden Verband zur Verfügung stehen und den Problemen, die mit den ver- schiedenen – zum Teil parallel verlaufenden – Rechtswegen für Sportler und Verbände verbunden sind (Teil A). In diesem Zusammenhang gilt es unter dem Aspekt zulässiger Parallelverfahren insbesondere den weltweiten Geltungsan- spruch der Leistungs-Prüfungs-Ordnung unter die Lupe zu nehmen, der es dem 475...

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