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Die Illusion eines guten Lebens

Kraft durch Freude und nationalsozialistische Sozialpropaganda

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Sascha Howind

Das Buch beschäftigt sich mit der Rolle der Freizeitorganisation «Kraft durch Freude» (KdF) als Propaganda- und Herrschaftsinstrument für das NS-Regime zwischen 1933 und 1939. Die Organisation KdF war ein halbstaatlicher, der «Deutschen Arbeitsfront» (DAF) angeschlossener Verband, mit dem der NS-Staat versuchte, ein «Geselligkeitsmonopol» und eine umfassende Verfügung und Kontrolle auf die arbeitsfreie Zeit der deutschen Bevölkerung durchzusetzen. Die KdF bildete ein Kernstück der NS-Sozialpropaganda, indem sie die Illusion des kollektiven sozialen Aufstiegs der deutschen Bevölkerung und der Einebnung von Klassenunterschieden verkörperte und verbreitete. Die Freizeitorganisation diente damit unmittelbar als Herrschaftsinstrument des NS-Staats.

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5. Utopie und Realität. Die Reisen der KdF

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Die Aktivitäten der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude” suggerierten und präsen- tierten einen neuen Lebensstil. Dieser neue Lebensstil sollte bestehen aus zahlreichen, vorwiegend in der bürgerlichen Mittelschicht verbreiteten Formen der Freizeitgestal- tung wie Gemeinschaftsreisen mit Sonderzügen der Reichsbahn und internationalen Seereisen. Vor allem mit den Seereisen versuchte die KdF, die Illusion einer erfolgrei- chen nationalsozialistischen Gesellschaftspolitik zu verbreiten. Diese habe, so ein Kern dieser durch KdF verbreiteten Illusion, innerhalb kürzester Zeit die Arbeiterklasse durch die Teilnahme an Seereisen gesellschaftlich integriert. Wie dieser illusionäre As- pekt die Konzeption der KdF-Arbeit dominiert, wie diese Illusion durch die Aktivitä- ten der KdF verbreitet wurde und wie deutlich sich die Illusion von der gesellschaftlichen Realität abhebt, wird in diesem Kapitel verdeutlicht. Bei der Konzeption der Reisen stand das Bestreben im Vordergrund, die individu- elle Urlaubserfahrung zu steuern, das Urlaubsgeschehen zu kontrollieren und in be- stimmten, vorgefertigten Bahnen verlaufen zu lassen. Die Konstruktion einer künstlichen Erfahrungswelt gilt als grundsätzliches Strukturmerkmal des Pauschaltou- rismus im Allgemeinen. So führen Reisen beispielsweise in imaginäre Welten oder die- nen dem gestressten Individuum als vorübergehende Flucht aus dem Alltag (vgl. Enzensberger 1969; Hennig 1999; Pagenstecher 2003). Das Spezifikum der KdF lag hingegen in der Absicht, durch die Reise, speziell die Auslandsreise und dem damit verbundenen Kontrast mit dem Ausland Rückschlüsse auf die vermeintliche Erfolgsbi- lanz der NS-Sozialpolitik zu ziehen. Nicht die Reise an sich stand im Vordergrund, sondern die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Ausgehend von...

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