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Das modale System im Spannungsfeld zwischen Theorie und kompositorischer Praxis

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Edited By Jochen Brieger

Thema des Bandes ist das Spannungsfeld zwischen theoretischer Beschreibung und praktischer Handhabung des modalen Systems. In acht Beiträgen, die vom Mittelalter bis zur Renaissance reichen, beleuchten die Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Perspektiven, wie das modale System von Komponisten und Musiktheoretikern verstanden wurde. Darüber hinaus werden in den Beiträgen Vorschläge für eine analytisch adäquate Herangehensweise entwickelt.

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Jochen Brieger: Modale Repräsentation in römischen Motetten des 16. Jahrhunderts

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Jochen Brieger Modale Repräsentation in römischen Motetten des 16. Jahrhunderts I Modale Repräsentation durch melodische Topoi In Gioseffo Zarlinos Istitutioni harmoniche erreicht die Darstellung der Moduslehre einen Grad der Systematisierung und Differenzierung, der für die folgenden Generationen von Musiktheoretikern beispielgebend werden sollte und nur noch marginale Veränderungen erfuhr.1 Daher wird Zarlinos Leistung auf diesem Gebiet zu Recht immer wieder hervor­ gehoben. Dies mag angesichts der beachtlichen Rezeption, die sein Werk - auch außerhalb Italiens - erfahren hat, durchaus plausibel erscheinen.2 Allerdings war der entscheidenden Neuerung seiner Moduslehre, der Erweiterung des Systems von acht auf zwölf Modi, die er von Heinrich Glarean übernommen hatte, in der Praxis keineswegs derselbe durch­ schlagende Erfolg wie in der Theorie beschieden, da das alte System des Oktoechos noch eine ganze Weile gleichberechtigt neben dem neuen System stand. Harold Powers sah beispielsweise für Giovanni Pierluigi da Palestrinas modalen Zyklus der Offertoria totius anni noch das System der acht Modi als kompositorische Grundlage an.3 Darüber hinaus ist die Frage nach der Relevanz des modalen Systems für die mehrstimmige Musik, auch wenn sie von Pietro Aaron bejaht und von Zarlino gar nicht mehr gestellt wurde, bis heute immer noch aktuell und wird durchaus kontrovers diskutiert.4 Als Beleg für diese Rele­ vanz wird gerne auf die zahlreichen modalen Zyklen des 16. Jahrhunderts verwiesen, die in ihrer äußeren Anlage die Ordnung des Systems aufgreifen.5 In der Tat lässt sich schon allein aufgrund der Häufigkeit solcher Zyklen...

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