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Selbstbestimmt entscheiden

Beratung bei Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch

Anne Rummer

Schwangere Frauen müssen über die Inanspruchnahme pränataler Untersuchungen entscheiden und nach Vorliegen des Befundes in manchen Fällen über einen Schwangerschaftsabbruch. Diese Entscheidungen sollten möglichst selbstbestimmt sein. Dazu kann Beratung beitragen. Das Buch stellt sich der ebenso schwierigen wie wichtigen Aufgabe, einen auch für Nichtjuristen verständlichen Überblick über die ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen von Beratung bei Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch zu geben. Der Gesetzgeber hat sich mit der Einführung des § 2a SchKG und des GenDG von 2010 in diesem Kontext erstmals für die Normierung eines Beratungskonzepts entschieden, das auf der Zusammenarbeit insbesondere von Ärzten und psychosozialen Beraterinnen beruht. Die Zusammenarbeit erfordert neben der Anerkennung der Professionalität des anderen die Kenntnis seines Beratungsverständnisses. Dazu gehören gesetzliche, untergesetzliche, berufsrechtliche und professionsinterne Vorgaben sowie die Berücksichtigung ethischer Aspekte.

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Vorwort

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Wolfram Henn Die selbstbestimmte Entscheidung über die Gestaltung des eigenen Lebens ge­ hört zum Kernbestand der individuellen Freiheit in einem modernen Rechtsstaat. Allerdings lehrt die Lebenserfahrung, dass sich der Mensch schon bei Festle­ gungen in einfachen Lebenskontexten kaum aus einem Geflecht widerstreitender eigener und fremder Wünsche, Normen und Konventionen befreien kann. Wohl keine Entscheidung ist für eine Frau oder ein Elternpaar so folgenreich und zugleich so herausfordernd für das eigene Wertesystem wie diejenige über die Fortsetzung der Schwangerschaft bei einem vorgeburtlich als krank oder be­ hindert diagnostizierten Kind. Das Spektrum der möglichen Einstellungen reicht hier vom radikalfeministi­ schen "Mein Bauch gehört mir" bis zur amtskirchlich postulierten Heiligkeit des Embryos. In Ermangelung eines breiten gesellschaftlichen Konsenses, sicherlich auch aus der Verlegenheit fraktionsübergreifender Uneinigkeit im legislativen Prozess heraus, hat sich der deutsche Gesetzgeber in den vergangenen Jahrzehnten in bemerkenswerter Zurückhaltung gegenüber klaren Vorschriften zu Pränataldi­ agnostik und Schwangerschaftsabbruch geübt. Als Folge finden sich werdende Eltern ebenso wie ihre Ärztinnen und Ärzte immer wieder in ethisch höchst problematischen Entscheidungssituationen wie­ der, für die ihnen das Recht nur unzureichende Hilfen an die Hand gibt. Um so bedeutsamer ist hier die Rolle der sprechenden Medizin, namentlich der geneti­ schen und psychosozialen Beratung. Anne Rummer, die zur in Deutschland raren Spezies der medizinethisch weiter­ gebildeten Juristinnen zählt, hat sich in diesem Buch der ebenso schwierigen wie wichtigen Aufgabe gestellt, einen auch für Nichtjuristen verständlichen Über­ blick über die ethischen und...

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