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Selbstbestimmt entscheiden

Beratung bei Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch

Anne Rummer

Schwangere Frauen müssen über die Inanspruchnahme pränataler Untersuchungen entscheiden und nach Vorliegen des Befundes in manchen Fällen über einen Schwangerschaftsabbruch. Diese Entscheidungen sollten möglichst selbstbestimmt sein. Dazu kann Beratung beitragen. Das Buch stellt sich der ebenso schwierigen wie wichtigen Aufgabe, einen auch für Nichtjuristen verständlichen Überblick über die ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen von Beratung bei Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch zu geben. Der Gesetzgeber hat sich mit der Einführung des § 2a SchKG und des GenDG von 2010 in diesem Kontext erstmals für die Normierung eines Beratungskonzepts entschieden, das auf der Zusammenarbeit insbesondere von Ärzten und psychosozialen Beraterinnen beruht. Die Zusammenarbeit erfordert neben der Anerkennung der Professionalität des anderen die Kenntnis seines Beratungsverständnisses. Dazu gehören gesetzliche, untergesetzliche, berufsrechtliche und professionsinterne Vorgaben sowie die Berücksichtigung ethischer Aspekte.

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4. Ärztliche und psychosoziale Beratung

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Bis hierher wurde versucht zu begründen, in welchen Entscheidungssituationen und warum im Zusammenhang mit Pränataldiagnostik und Schwangerschafts­ abbruch beratene Entscheidungen „besser“ sind als nichtberatene und dass schwangere Frauen deshalb Zugang zu Beratung haben sollten. Doch was ist Beratung überhaupt? Eine Annäherung an eine Definition von „Beratung“ könnte über das Berufsbild „Berater“ erfolgen. Allerdings: „Berater“ ist - anders etwa als „Arzt“ - keine ge­ schützte Berufsbezeichnung8 und anders als in der Medizin zum „Arzt“ gibt es keine einheitliche Ausbildung zum „Berater“9. Vielleicht ist diese Tatsache aus­ schlaggebend dafür, dass sich in vielen beruflichen Handlungsfeldern die Vor­ stellung hält, „Beratung sei im Wesentlichen Informieren, bestenfalls mithilfe einer besonderen Gesprächstechnik, die recht leicht, lehr- und lernbar ist“ (En­ gel, Nestmann, Sickendiek 2007, S. 33). Ebenso offen wie der Beruf ist das Tätigkeitsfeld von Beratung. Beratung gibt es in den verschiedensten Kontexten, und entsprechend weit ist das Zuständig­ keitsspektrum mit den unterschiedlichen Theorien, Konzepten und Methoden (Engel, Nestmann, Sickendiek 2007, S. 34). Ist somit Beratung „weit von einer Eindeutigkeit entfernt“ (Engel, Nestmann, Sickendiek 2007, S. 33), so lässt sie sich dennoch beschreiben als: - ein „auf begrenzte Zeit arrangiertes Gesprächsangebot zur Entfaltung von Entwicklungspotenzialen und Kompetenzen, welche in einer aktuellen in­ neren und/oder äußeren Krise blockiert sind“ (Schrödter 2007, S. 456); - eine „Interaktion zwischen zumindest zwei Beteiligten, bei der die bera­ tende^) Person(en) die Ratsuchende(n) - mit Einsatz von kommunikati­ ven Mitteln - dabei unterstützen,...

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