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Selbstreflexion im Narrenspiegel

Die Hofnarrenporträts von Diego Velázquez

Saskia Jogler

Im Laufe seiner Karriere als Hofmaler Philipps IV. malte Velázquez eine bemerkenswerte Anzahl von Narrenbildnissen, die durch ihre unkonventionellen Sujets und technische Brillanz hervorragen. In der Studie wird diese Werkgruppe erstmals in ihrem einstigen Bezugssystem verortet und zusammenhängend erforscht. Hängungskontexte werden rekonstruiert, Ikonografien eingehend analysiert und die Bedeutung der Gemälde für Velázquez’ künstlerisches Selbstverständnis herausgestellt. Daneben werden kunst-theoretische Aspekte zur Porträtmalerei und der Kunst der Täuschung detailliert diskutiert. Durch zusätzliche interdisziplinäre Vergleiche mit Narrenfiguren aus Literatur und Theater erschlieerschließen sich Velázquez’ Narrenporträts erstmals in einem umfassenden kunst- und kulturgeschichtlichen Kontext.

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1 Die Narrentreppe im Alcázar

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Bereits einen Tag nach seiner Ankunft in Madrid, am 27. November 1628, such- te der französische Botschafter Guillaume de Bautru den Conde-Duque de Olivares in dessen Studierzimmer auf, um mit diesem die konträren Interessen der französischen und spanischen Krone bezüglich des Mantuanischen Erbfol- gekriegs90 zu verhandeln. Das Anliegen Bautrus war von so hoher Dringlichkeit, dass sein Treffen mit dem Ersten Minister Philipps IV. im Geheimen und fernab jeder Formalitäten, die für gewöhnlich einem außerordentlichen Botschafter zu- standen, stattfinden musste.91 Während der Conde-Duque den geheimen Besu- cher zu seinen Gemächern führte, lenkte er das Gespräch zunächst auf unver- fänglichere Themen und fragte den Botschafter, ob der Kardinal Richelieu nicht verrückt geworden sei vor Glück, die Belagerung der protestantischen Stadt La Rochelle92 endlich siegreich beendet zu haben. Der Botschafter, bekannt für sei- ne „bons mots“93 und geistreichen Antworten, erwiderte: „er habe immer Angst gehabt, dass der schwache Gesundheitszustand den Kardinal noch ins Grab bringe. Er habe aber, Gott sei Dank, neuen Mut gefasst, ausgelöst durch eine Anordnung, die man immer bei den Medaillen illustrer Personen antreffe, aber niemals in einer solchen Galerie, wie er sie passierte, als er in Olivares´ Stu- 90 Zum Mantuanischen Erbfolgekrieg vgl. Elliott, John H.: Spain and the war. In: Geoffrey Parker (Hg.): The Thirty Years´ War. London [u. a.] 1997, S. 92-98, hier: S. 95-98. 91 Armand-Jean du Plessis, Cardinal-Duc de Richelieu, schilderte das Aufeinandertreffen von Guillaume de...

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