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Josef Gieles: Studentenbriefe 1939-1942

Widerständiges Denken im Umfeld der Weißen Rose- 2., durchgesehene Auflage

Edited By Heinrich Kanz

Diese Briefsammlung enthält alle im Familienarchiv Gieles vorhandenen Briefe an die Eltern und Geschwister in Klein-Auheim aus der Münchener Studentenzeit September 1939 bis Ende 1942 (Medizinische Promotion/Staatsexamen). Sie spiegeln die innere und äußere Entwicklung eines Studenten der Medizin im Dritten Reich wider, dessen Studium parallel zu militärischer Ausbildung und dem Dienst in einer Sanitäts-/Studentenkompagnie lief. Josef Gieles gehörte zum studentischen Freundeskreis der Weißen Rose. Er war mit einigen ihrer hingerichteten Mitglieder freundschaftlich verbunden und hatte geistigen Kontakt mit ihnen.

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EINLEITUNG

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EINLEITUNG 1. Zielsetzung Fachwissenschaftliche und kulturöffentliche Aktivitäten zur historischen Aufklä­ rung und pädagogischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus haben zu Beginn der neunziger Jahre in der Bundesrepublik einen solchen Stand erreicht, daß sich die Frage stellt, ob die betreffenden binnenfamiliären Prozesse in den Alltagswelten der bundesrepublikanischen Familien nicht mehr als bisher davon angeregt werden könnten. Innerhalb der Familien haben Auseinandersetzungen um geschichtliche Fragestellungen mit deren Erkenntnis-, Gesprächs- und Darstellungsmöglichkeiten stattgefunden. Es handelt sich dabei um Vorgänge der sozialen "Selbsterkenntnis" im Wandel der Generationen. Eingesetzt hat eine neue Phase der "Nachdenklichkeit", in der es um das "Zurechtrücken" und rationale Begreifen wie Umfassen geschichtlicher Handlungen älterer Genera­ tionen vor und mit jüngeren Generationen der Deutschen geht, um das Einbeziehen geschichtlicher Erfahrungen von Schuld oder Nochnichtbetroffensein, von Widerstand oder Anpassung auf allen Ebenen und um ein "gereinigtes", "verarbeitetes" und integratives neues Verhältnis zur deutschen Geschichte, die durch die unblutige Revolution am 9.11.1989 eine qualitativ andersgeartete Dimension erreicht hat. Wer die bisherigen Phasen der Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer Geschichte nach 1945 betrachtet, könnte vier Abschnitte hypothetisch und idealtypisch ansetzen: 1. Die Zeit der inneren Verdrängung des Nationalsozialismus und der Versuch des geistigen Weiterlebens nach dem moralischen und kulturellen Zusammenbruch 1945; 2. Die Zeit der Impulse, aus der deutschen Geschichte herauszutreten, sich sozusagen zu entnationalisieren, verbunden mit der totalen Abschottung zwischen den Generationen der Eltern und ihrer Kinder in den 60er Jahren; 3. Die Zeit einer vorsichtigen Zuwendung zur deutschen Geschichte im Hinblick...

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