Show Less

Früchte und Nutzungen

Eine dogmenhistorische Untersuchung zur privatrechtlichen Erfassung von Vermögenserträgen

Series:

Sérgio Fernandes Fortunato

Zu den zentralen Aufgaben einer Privatrechtsordnung gehört es, verbindliche Regeln über die Zuordnung und Verteilung von Rechts- und Wirtschaftserträgen zu treffen. Das Bürgerliche Gesetzbuch kommt dieser Aufgabe durch die Legaldefinitionen in §§ 99, 100 BGB nach. Zugleich erfolgte mit diesen Vorschriften auch das vorläufige Ende einer sehr kontrovers geführten Debatte zum römisch-gemeinen Recht. Diese Beobachtung nimmt die Untersuchung zum Anlass, die Entwicklung des Fruchtrechts seit dem Gemeinen Recht des 19. Jahrhunderts bis zum heutigen Fruchtbegriff nachzuzeichnen. Hierbei zeigt die Arbeit auf, dass die Debatte zum römischen Begriff der ‘fructus’ zum Teil bis in das heutige Recht hineinwirkt. Deutliche Konsequenzen sind nicht bloß im Rahmen der Legaldefinitionen anzutreffen, sondern finden sich in allen Bereichen der dinglichen und obligatorischen Fruchtverteilung.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

1. Kapitel: Einleitung

Extract

„Fructuum perceptio finis est dominii et possessionis.“ (Franciscus Connanus, 1535)1 „Die allgemeine Lehre des BGB von der Frucht ist hier zu behandeln. Sie hat viel Eigenartiges, viel Künstliches. Nur aus der Geschichte der Fruchtlehre ist sie zu begreifen.“ (Heinrich Dernburg, 1904)2 I. Thematische Einführung Anhand des eingangs zitierten Satzes von Franciscus Connanus kann schnell die Bedeutung des Fruchtbegriffs für das Privatrecht deutlich gemacht werden. Der französische Jurist aus dem 16. Jahrhundert3 beschreibt an dieser Stelle, welcher Zweck seiner Ansicht nach mit dem Eigentum verbunden ist. Eine am Wortlaut orientierte Übersetzung des lateinischen Satzes müsste in etwa so lauten: Zweck allen Eigentums und Besitzes ist die Ziehung von Früchten. Ohne auf alle Ein- zelheiten eingehen zu wollen, kann eine allgemeinere Fassung dieses Satzes in etwa so lauten: Zweck allen Eigentums ist die Gewinnung von ökonomischen Vorteilen. Bestimmt man mit Connanus den Zweck des Eigentums in der Ziehung von Wirtschafts- und Rechtserträgen, erklärt sich auch das rechtswissenschaftliche Interesse an einer Auseinandersetzung mit dem Fruchtrecht. Das Eigentumsrecht wird am besten durch das Schlagwort der ‚Absolutheit des Eigentums’ beschrie- ben.4 Wie § 903 S. 1 BGB deutlich macht, ordnet die geltende Rechtsordnung dem Eigentümer die umfassende rechtliche und tatsächliche Herrschaft über ei- ne bewegliche oder unbewegliche Sache gegenüber Jedermann zu, er hat mit anderen Worten also das ‚Vollrecht’ an der Sache.5 Hieraus ergeben sich umfas- sende Befugnisse an einem Vermögensgegenstand, die sich in eine negative und 1 Franciscus Connanus, Commentarii iuris...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.