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Ukrainistik in Europa

Historische Entwicklung und gegenwärtiger Stand

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Helmut Schaller

Die ersten Anfänge wissenschaftlicher Betrachtung der Ukraine gehen bereits auf das 19. Jahrhundert zurück, politisch bedingt jedoch kann erst nach dem Ersten Weltkrieg von einer Ukrainistik in Prag, Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg in München gesprochen werden. Die Darstellung der europäischen Ukrainistik in diesem Buch hat die Entwicklung dieses Teilgebietes der Slawistik für Deutschland und Europa, in Ausblicken auch für Nordamerika und Australien zum Ziel. Der Arbeit liegt eine umfangreiche Primär- und Sekundärliteratur zu Grunde, einbezogen wurden auch Archivmaterialien aus Berlin und München. Im Ergebnis zeigt sich ein umfassendes Bild nicht nur ukrainistischer Forschung, sondern auch der Lehre an mitteleuropäischen Universitäten. Trotz aller Förderung seit dem Jahre 1990 ist zu befürchten, dass mit den Beschränkungen der Osteuropa-Forschung auch die Ukrainistik nach einer kurzen Blütezeit wieder in den Hintergrund gedrängt wird.

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I. Einleitende Bemerkungen

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: In einer 1991 erschienenen Abhandlung zum Schulwesen im Reichskommissariat Ukraine heißt es: „In der deutschen Wissenschaft ist das ukrainische Volk bisher weitgehend unbeachtet und hinter den seit vielen Jahrzehnten dominierenden Russen oft versteckt geblieben, die ukrainische Kultur und die jüngste ukraini- sche Geschichte fälschlicherweise nur als Teil der russischen betrachtet worden.“1 Bekanntlich entstand gegen Ende des 9. Jahrhunderts n. Chr. am Mittellauf des Dnjepr‘, dem Kerngebiet der ostslawischen Stämme das Kiever Reich. Bis zur Eroberung durch die Mongolen in den Jahren 1237 bis 1240 war die Geschichte der Ukraine identisch mit der russischen Geschichte. Im Jahre 1223 tauchte aber erstmals die Bezeichnung „Kleinrussland“ für die Ukraine in der Kanzlei des Patriarchen von Konstantinopel auf. Während große Teile des ukrainischen Gebietes nach dem Mongolensturm verödeten, gelang es den südwestlichen Fürs- tentümern Halyč und Volodymyr, dem späteren Galizien, sich in Anlehnung an die westlichen Nachbarn weitgehend selbständig zu entwickeln. Das Schicksal der Ukraine in der neueren Zeit der europäischen Geschichte entschied sich 1667 mit der Aufteilung des Landes zwischen Moskau und Polen, wobei die linksufrige Ukraine mit einem eigenen Hetman Russland zugeschlagen wurde und die rechtsufrige Ukraine unter polnische Herrschaft kam. Mit Unter- stützung Schwedens versuchte der ukrainische Hetman Ivan Mazepa jedoch die Unabhängigkeit des Landes wieder herzustellen, was aber durch die militärische Niederlage von Poltawa im Jahre 1709 verhindert wurde. In den Jahren 1783 bis 1787 erfolgte unter Kaiserin Katharina II. die Aufhebung...

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