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Ukrainistik in Europa

Historische Entwicklung und gegenwärtiger Stand

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Helmut Schaller

Die ersten Anfänge wissenschaftlicher Betrachtung der Ukraine gehen bereits auf das 19. Jahrhundert zurück, politisch bedingt jedoch kann erst nach dem Ersten Weltkrieg von einer Ukrainistik in Prag, Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg in München gesprochen werden. Die Darstellung der europäischen Ukrainistik in diesem Buch hat die Entwicklung dieses Teilgebietes der Slawistik für Deutschland und Europa, in Ausblicken auch für Nordamerika und Australien zum Ziel. Der Arbeit liegt eine umfangreiche Primär- und Sekundärliteratur zu Grunde, einbezogen wurden auch Archivmaterialien aus Berlin und München. Im Ergebnis zeigt sich ein umfassendes Bild nicht nur ukrainistischer Forschung, sondern auch der Lehre an mitteleuropäischen Universitäten. Trotz aller Förderung seit dem Jahre 1990 ist zu befürchten, dass mit den Beschränkungen der Osteuropa-Forschung auch die Ukrainistik nach einer kurzen Blütezeit wieder in den Hintergrund gedrängt wird.

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III. Ukrainistik in Deutschland und Österreich vor und im Ersten Weltkrieg

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Wie gelegentlich bereits darauf hingewiesen wurde, sind die Anfänge der Ukrai- nistik in Deutschland eigentlich erst nach dem Ersten Weltkrieg zu suchen: „Die Ukrainistik erlebte in Deutschland erst im Zusammenhang mit der deutschen Ukrainepolitik nach der Oktoberrevolution in Russland und vor allem nach dem Zusammenbruch des deutschen Kaiserreiches eine gewisse Entwicklung. An ihr hatten nach Deutschland emigrierte ukrainische Gelehrte den größten Anteil.“67 Erstmals erschien in deutscher Sprache eine Sammlung von Gedichten Taras Ševčenkos im Jahre 1911 in Leipzig, aus dem Ukrainischen übertragen von Julia Virgina68. Beschrieben wird dort zunächst Ševčenkos Leben und seine Entwicklung als ukrainischer Nationaldichter, Übersetzungen werden geboten von Gedichten aus der Zeit vor seiner Verbannung in den Jahren 1839 bis 1846, u. a. „Vorgesang“ – das Einleitungsgedicht zu Ševčenkos „Kobzar“, gefolgt von Gedichten aus der Zeit seiner zehnjährigen Verbannung in den Jahren 1847 bis 1857, u. a. „Bin allein…“, verfasst im Mai 1847 in der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg und schließlich Gedichte aus der Zeit nach seiner Verbannung bis zu seinem Tod in den Jahren 1858 bis 1861. Geht man in das 19. Jahrhundert zurück, so finden sich mehrere Beiträge zur ukrainischen Sprache, Literatur und Kultur, die jedoch nicht wesentlich dazu beitragen konnten, die Kenntnis der Ukraine in Deutschland und Österreich zu fördern. Unter der Anleitung von August Leskien (1840–1916) in Leipzig, dem damals in Deutschland führenden Slawisten und Baltisten, war im Jahre 1883 eine Dissertation entstanden, deren Verfasser Jan Hanusz (1858–1887) sich...

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