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Ukrainistik in Europa

Historische Entwicklung und gegenwärtiger Stand

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Helmut Schaller

Die ersten Anfänge wissenschaftlicher Betrachtung der Ukraine gehen bereits auf das 19. Jahrhundert zurück, politisch bedingt jedoch kann erst nach dem Ersten Weltkrieg von einer Ukrainistik in Prag, Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg in München gesprochen werden. Die Darstellung der europäischen Ukrainistik in diesem Buch hat die Entwicklung dieses Teilgebietes der Slawistik für Deutschland und Europa, in Ausblicken auch für Nordamerika und Australien zum Ziel. Der Arbeit liegt eine umfangreiche Primär- und Sekundärliteratur zu Grunde, einbezogen wurden auch Archivmaterialien aus Berlin und München. Im Ergebnis zeigt sich ein umfassendes Bild nicht nur ukrainistischer Forschung, sondern auch der Lehre an mitteleuropäischen Universitäten. Trotz aller Förderung seit dem Jahre 1990 ist zu befürchten, dass mit den Beschränkungen der Osteuropa-Forschung auch die Ukrainistik nach einer kurzen Blütezeit wieder in den Hintergrund gedrängt wird.

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VI. Ukrainistik in anderen europäischenLändern

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217 VI. Ukrainistik in anderen europäischen Ländern In Russland konnte noch im Jahre 1818 Oleksij Pavlovs´kyj (1733–1822) seine „Grammatika malorossijskago narečija/Grammatik des kleinrussischen Dialek- tes“ veröffentlichen, die sich im wesentlichen auf die Gegebenheiten zentral- ukrainischer Dialekte stützte, wohl das erste Werk in Rußland, das sich mit der ukrainischen Sprache wissenschaftlich auseinandersetzte. Die im Jahre 1863 einsetzenden Unterdrückungsaktionen der russischen Regierung gegen die Ver- wendung des Ukrainischen in der Literatur, im Schulunterricht sowie im übrigen öffentlichen Leben wurden in einem Rundschreiben des von 1861 bis 1868 amtie- renden russischen Innenministers Peter A. Valuev (1815–1890) damit begrün- det, dass es keine ukrainische Sprache gebe, diese vielmehr als „kleinrussischer Dialekt“ nur ein durch polnische Einflüse verdorbenes Russisch sei. Mit dem „Emser Ukaz“ des Jahres 1876 wurde von dem russischen Zaren Alexander II. jeglicher Gebrauch des Ukrainischen im öffentlichen Leben untersagt und erst ab 1905 erlangte das Ukrainische den Status einer Standardsprache, nachdem am 18. Februar 1905 auf einer Sitzung der allgemeinen Versammlung der Russi- schen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg ein Vortrag von Alek- sej A. Šachmatov (1864–1920)524 gebilligt wurde, in dem dieser, unterstützt von dem Klassischen Philologen Fedor Korš (1843–1915), die Forderung aufstellte, dem ukrainischen Volk das Recht zu geben öffentlich und in gedruckter Form in seiner Sprache sich zu äußern. Beide Sprachwissenschaftler waren Anhänger der damals neu aufgekommenen Methode der vergleichend-historischen Sprachbe- trachtung, wie sie von der Leipziger junggrammatischen Schule vertreten wurde....

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