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Georg Baselitz und der Neue Typ

Die frühen Werke- Auf dem Weg zu einem neuen Menschenbild

Reinhard Herz

Ziel dieser Untersuchung ist es, das frühe Œuvre von Georg Baselitz systematisch und umfassend zu erkunden – als Voraussetzung für alle späteren Entwicklungen bis hin zur Motivumkehr. In den frühen 60er Jahren entwickelt der Künstler in Westberlin aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständliche Figuration. Auf dem Weg zur Formung eines neuen Menschenbildes setzt er der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Verknüpfung von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlichen Einzelfigur ist. Rückblickend lassen sich zwischen 1958 und 1966 Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückgewinnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen.

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2 Politische Bedingungen

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2.1 Westdeutschland Ende der Fünfziger und Anfang der Sechziger Jahre ist die 1949 gegründete Bundesre- publik außenpolitisch fest in der westlichen Staatengemeinschaft integriert. Seit der 1955 erfolgten Aufnahme in die NATO ist der westliche Teil Deutschlands exponierter Be- standteil dieses Militärpakts mit einer langen innerdeutschen Frontlinie zum Warschauer Pakt und einem wie eine Insel inmitten der DDR gelegenen Westberlin, das durch Sper- rung der Transitwege äußerst verwundbar ist. Mit der Forderung Chruschtschows nach einem Truppenabzug der drei Westmächte aus Berlin beginnt im November 1958 die Berlin-Krise, die die folgenden Jahre über- schattet und mit dem Bau der Berliner Mauer im August 1961 den Status quo der deut- schen Teilung für beinahe 30 Jahre zementiert. Unter den Bedingungen der sozialen Marktwirtschaft entwickelt sich die Bundesrepu- blik in den Fünfziger und frühen Sechziger Jahren zu einem wirtschaftlichen Erfolgsmo- dell, dem deutschen Wirtschaftswunder, das annähernd acht Millionen Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten ebenso zu integrieren vermag, wie die etwa drei Millionen Flüchtlinge, die zwischen 1949 und 1961 aus der östlichen Zone, der späteren DDR, vor allem über Westberlin nach Westdeutschland gelangen. Innenpolitisch und gesellschaftlich führt der auf Restauration bürgerlicher Wertvorstel- lungen angelegte sogenannte Adenauer-Staat, der wirtschaftliche Erfolg und die Übernah- me eines großen Teils des von den USA geprägten Lebensstils bei der Bevölkerung zur Bil- dung einer Konsensgesellschaft – dieser konsumorientierten Gesellschaft bedeutet der wirtschaftliche Wiederaufbau viel mehr, als die Auseinandersetzung mit der jüngsten Ver- gangenheit....

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