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Georg Baselitz und der Neue Typ

Die frühen Werke- Auf dem Weg zu einem neuen Menschenbild

Reinhard Herz

Ziel dieser Untersuchung ist es, das frühe Œuvre von Georg Baselitz systematisch und umfassend zu erkunden – als Voraussetzung für alle späteren Entwicklungen bis hin zur Motivumkehr. In den frühen 60er Jahren entwickelt der Künstler in Westberlin aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständliche Figuration. Auf dem Weg zur Formung eines neuen Menschenbildes setzt er der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Verknüpfung von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlichen Einzelfigur ist. Rückblickend lassen sich zwischen 1958 und 1966 Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückgewinnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen.

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8 Pandämonische Manifeste I und II

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8.1 Rahmenbedingungen und zeitliche Abfolge Obwohl Baselitz bereits seit mehr als fünf Jahren malt, davon ein Jahr an der Ostberliner und über vier Jahre an der Westberliner Hochschule, sind seine Arbeiten noch nie aus- gestellt worden. In Ermangelung eines Galeristen organisiert er daher zusammen mit sei- nem Maler-Kollegen Eugen Schönebeck eine erste Ausstellung in einem privat gemiete- ten Abbruch-Haus in der Schaper-Straße 22 in Westberlin. Die vom 10. bis zum 30. November 1961 dauernde Ausstellung umfasst 30 Gemälde und Zeichnungen von Base- litz und Zeichnungen von Schönebeck. Für die Ausstellung verfassen beide auf einem 62.5 x 103.9 cm großen Blatt einen handschriftlichen, häufig unterstrichenen Text, der zu drei Vierteln von Baselitz und zu einem Viertel von Schönebeck formuliert ist. Über dem dreispaltigen Text stehen in dick aufgetragenen, unterstrichenen Lettern die Vor- und Nachnamen der beiden Künstler, die den Text in der letzten Spalte noch mit je einer Tuschzeichnung illustriert haben (Abb. 127). Nach Waldman54 reagierten Baselitz und Schönebeck mit diesem erst später als Pandämonisches Manifest I bezeichneten Text auf ein Manifest unter dem Namen Pintorarium, das die Künstler Arnulf Rainer, Friedensreich Hundertwasser und Ernst Fuchs 1959 für eine universelle Akademie aller kreativen Richtungen publiziert hatten. Weil Bilder und Text kaum Beachtung finden, veröffentlichen beide Künstler noch wäh- rend der Ausstellung eine mit je einer neuen Tuschzeichnung ausgestattete stark gekürzte 2. Version des Pandämonischen Manifest I, die mit einigen Umstellungen nur...

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