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Georg Baselitz und der Neue Typ

Die frühen Werke- Auf dem Weg zu einem neuen Menschenbild

Reinhard Herz

Ziel dieser Untersuchung ist es, das frühe Œuvre von Georg Baselitz systematisch und umfassend zu erkunden – als Voraussetzung für alle späteren Entwicklungen bis hin zur Motivumkehr. In den frühen 60er Jahren entwickelt der Künstler in Westberlin aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständliche Figuration. Auf dem Weg zur Formung eines neuen Menschenbildes setzt er der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Verknüpfung von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlichen Einzelfigur ist. Rückblickend lassen sich zwischen 1958 und 1966 Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückgewinnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen.

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10 Der nackte Mann

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Die erste Ausstellung der Arbeiten von Georg Baselitz und Eugen Schönebeck in der neu eröffneten Galerie von Werner & Katz vom 1. bis zum 25. Oktober 1963 hatte zu einem Skandal geführt, weil die Gemälde Der nackte Mann (Abb. 18) von 1962 und Die große Nacht im Eimer (s. u.) von 1962/63, die Georg Baselitz gemalt hatte, von einem Kritiker und darauf fußend von einem Teil der Presse als anstößig empfunden wurden. Beide Ar- beiten wurden wenige Tage später von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und nach Einstellung des folgenden Prozesses wegen Geringfügigkeit erst zwei Jahren später zu- rückgegeben. In seinem Artikel Der Fall Baselitz hat sich der Journalist Martin G. Buttig 1965 nochmals ausführlich mit den damaligen Abläufen in der August-Ausgabe der Zeitschrift „Der Monat“123 beschäftigt – mit dem Resultat, dass der Skandal nicht etwa spontan ent- standen, sondern von der Presse inszeniert worden war.124 Dies bestätigte auch Michael Werner, der damalige Galerist, in einem kürzlich geführten Gespräch125 mit dem aus- drücklichen Hinweis, dass Baselitz von diesen Vorgängen zu diesem Zeitpunkt nichts bekannt war. Obwohl seit längerem Aufmerksamkeit suchend und die Provokation nicht scheuend, hatte sich der Künstler diese Art der Reaktion sicher nicht vorgestellt. Bei den öffentlich vorgebrachten Einwänden ging es nicht um den künstlerischen Anspruch dieser Werke, sondern um den als angeblich pornographisch bzw. obszön empfundenen Inhalt. Unabhängig von der öffentlichen Sexualmoral hätte...

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