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Georg Baselitz und der Neue Typ

Die frühen Werke- Auf dem Weg zu einem neuen Menschenbild

Reinhard Herz

Ziel dieser Untersuchung ist es, das frühe Œuvre von Georg Baselitz systematisch und umfassend zu erkunden – als Voraussetzung für alle späteren Entwicklungen bis hin zur Motivumkehr. In den frühen 60er Jahren entwickelt der Künstler in Westberlin aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständliche Figuration. Auf dem Weg zur Formung eines neuen Menschenbildes setzt er der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Verknüpfung von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlichen Einzelfigur ist. Rückblickend lassen sich zwischen 1958 und 1966 Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückgewinnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen.

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14 Pandämonische Geschöpfe

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Noch vor dem Plakat für das Pandämonische Manifest II vom Frühjahr 1962 mit seinen über drei Spalten verteilten Zeichnungen von Köpfen und Figuren innerhalb des Schreibmaschinen-Texts (Abb. 129, 132) belegt die Zeichnung Ohne Titel (P. D. Zeich- nung) von 1961 (Abb. 136), dass Baselitz bereits zu diesem frühen Zeitpunkt eine erste Arbeit mit mehreren Figuren anfertigte (Kap. 9.1) und auch dem Pandämonium = P. D. zuordnete. Von den 1962 entstehenden Tusche-, Bleistift- und Kreidezeichnungen (Abb. 139-141, 219, 220) mit mehreren Gestalten, die – meist auf einer horizontalen, rechteckig begrenz- ten Fläche oder einer Linie angeordnet – ein Tableau von verschieden weit differenzier- ten Figurationen bereithalten, verweisen die beiden Arbeiten P. D. Zeichnung (Abb. 139) und Pandämonium-Zeichnung: Wald (Abb. 140) ebenfalls auf die Pandämonischen Ma- nifeste. Es ist daher denkbar, dass Baselitz 1962 Arbeiten wie die Zeichnung G. Antonin (Abb. 219) und die knienden Figuren der Zeichnung Figuren im Raum (Abb. 220) als Studie bzw. Vorstufe anfertigte für die Figuration auf dem Plakat des Pandämonischen Manifests II mit der noch differenzierteren zentralen Figur des knienden jungen Mannes und den Kalvarienberg-Gestalten (Abb. 132-134, 137). Haltung und Gestik dieser Pandämonium-Werkgruppe von 1962 wurde in Kap. 8.4.2 eingehend herausgearbeitet. Sie schließt die sich erbrechenden Kopffragmente des Pla- kats (Abb. 132, 137) ebenso ein, wie die Arbeiten der separaten P. D.-Zeichnungen (Abb. 139, 140), die sich aufrichtende Einzelfigur (Abb. 149-151) und die Konstrukte, die der Künstler aus Kopffragmenten und männlichem Geschlecht zusammensetzt (Abb....

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