Show Less

Georg Baselitz und der Neue Typ

Die frühen Werke- Auf dem Weg zu einem neuen Menschenbild

Reinhard Herz

Ziel dieser Untersuchung ist es, das frühe Œuvre von Georg Baselitz systematisch und umfassend zu erkunden – als Voraussetzung für alle späteren Entwicklungen bis hin zur Motivumkehr. In den frühen 60er Jahren entwickelt der Künstler in Westberlin aus informellen Anfängen heraus eine neue gegenständliche Figuration. Auf dem Weg zur Formung eines neuen Menschenbildes setzt er der Abstraktion eine strikt anthropomorph ausgerichtete Figuration entgegen, deren wichtigstes Kennzeichen die Verknüpfung von informellen Elementen und naturgegebener Körperform in einer männlichen Einzelfigur ist. Rückblickend lassen sich zwischen 1958 und 1966 Werkphasen abgrenzen, die mit der Darstellung von Köpfen, Torsi, einer sich aufrichtenden Gestalt und dem Auftreten eines scheinbar uniformierten Neuen Typs die allmähliche Rückgewinnung der menschlichen Gestalt aus ihrer informellen Auflösung zeigen.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Nachwort

Extract

Während der Vorbereitung der vorliegenden Dissertation zur Publikation wurde am 4. Februar 2012 in der Villa Schöningen in Potsdam eine Ausstellung mit frühen Wer- ken von Georg Baselitz eröffnet unter dem Titel: „Georg Baselitz – Die Berliner Jahre/ Bilder aus der Sammlung Baselitz“. Da sich meine Arbeit mit dem frühen Oeuvre des Künstlers beschäftigt, lag es aus mehreren Gründen nahe, zur Ausstellung und ihrer Re- zension Stellung zu nehmen. Die Ausstellung ist ein Gewinn, weil sich von mehreren, bisher nicht in der Öffent- lichkeit gezeigten Werken, das 1960 entstandene Gemälde Portrait Rayski (Abb. 12) be- sonders gut in die Reihe der Werke einfügt, die sich auf den Dresdner Maler Ferdinand von Rayski beziehen. Es schließt gleichsam eine Lücke in den Rayski nachempfundenen Kopf-Gemälden und kann geradezu als Inkunabel für Übergang und Einbeziehung von informeller in figurative Malerei gelten – plötzlich treten wie aus einem Vorhang von beliebig verlaufenden buntgewellten Farbbahnen menschliche Gesichtszüge hervor, die trotz aller Konturen in einer ungewissen Struktur verharren. Die ausführlichen Rezensionen zur Ausstellung in der Welt am Sonntag476, der Frank- furter Allgemeinen Zeitung477 und der Süddeutschen Zeitung478 gehen wie auch der Kata- log-Text von Norman Rosenthal479 auf den Hintergrund der Nachkriegszeit, die damali- ge Skandalisierung der große Nacht im Eimer- Arbeiten und den Niederschlag persönli- cher Erfahrungen aus dieser Zeit in die frühen Werke ein. Auch die Rebellion „[...] ge- gen die im Westen propagierte, alles vergessen machende...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.