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Entschuldigung und Entschuldigungsannahme im Täter-Opfer-Ausgleich

Eine soziolinguistische Untersuchung zu Gesprächsstrukturen und Spracheinstellungen

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Gabriele Klocke

Die interdisziplinär angelegte Studie verbindet ein sprachwissenschaftliches mit einem strafrechtlichen Erkenntnisinteresse: So werden aus sprachwissenschaftlicher Perspektive Entschuldigungs- und Entschuldigungsannahmehandlungen als spezifische Rituale in einem strafrechtlich relevanten Kontext, nämlich dem Täter-Opfer-Ausgleich untersucht. Die Autorin spürt dabei theoretisch wie empirisch der sprachlichen Form dieses Rituals, seiner gesprächsorganisatorischen Lokalisierung sowie seiner pragmatischen Organisation als Sprechaktsequenz nach. Die entsprechenden Befunde werden strafrechtlich gerahmt: So zeigt die Autorin, in welche diskursiven Prozesse Entschuldigung und Entschuldigungsannahme im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs eingebettet sind, d.h. ob die Durchführung dieses Rituals von den Mediatoren der Ausgleichsgespräche als Erfolgskriterium betrachtet wird und inwiefern sein Gelingen von der Sprachkompetenz aller Beteiligten abhängt.

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3. Die sprachwissenschaftliche Perspektive

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Entschuldigungen sowie deren Annahmen können aus vielerlei sprachwissen- schaftlichen Perspektiven betrachtet werden. Entschuldigungsrituale lassen sich etwa hinsichtlich ihrer Ausdrucksformen, ihres Höflichkeitsgrades, ihrer For- melhaftigkeit, ihrer Aufrichtigkeit, ihrer Illokutionsstärke, ihres propositionalen Gehalts, ihrer Freiwilligkeit sowie hinsichtlich ihres emotiven Gehalts beschrei- ben.156 Die zentralen Betrachtungseinheiten der vorliegenden Studie sind Äuße- rungen, die gemäß sprechakttheoretischen Überlegungen die sprachlichen Reali- sierungen der Sprechakte ENTSCHULDIGUNG und ENTSCHULDIGUNGSANNAHME darstellen. Die Sprechakttheorie nimmt das Entschuldigungsgeschehen aus handlungstheoretischer und funktionaler Perspektive in den Blick. Näheres hier- zu erfahren die Leserinnen und Leser im Kapitel 3.2.3. Wie die Ausführungen der folgenden Kapitel zeigen, hat die sprachliche Leistung Entschuldigung bereits linguistische Aufmerksamkeit erfahren. Dabei gelangte der Täter-Opfer-Ausgleich als Forschungsfeld jedoch bislang kaum in den Aufmerksamkeitsbereich der Sprachwissenschaft. Zwar liegt mit dem gesprächsanalytischen Großprojekt des Instituts für Deutsche Sprache „Streit schlichten“157 ein wichtiger Beitrag zur zivilrechtlich gerahmten Konfliktkommunikation vor. Hier wird allerdings das gesamte Ge- sprächsgeschehen und nicht in spezieller Weise eine besondere sprachliche Leis- tung wie etwa die Entschuldigung in den Blick genommen. Die von Nothdurft und Kollegen untersuchten Schlichtungsgespräche beleuchten nur in Teilen strafrechtlich relevante Konflikte, die überdies nur minderschwerer Natur sind. Diese werden auf zivilrechtlicher Ebene verhandelt. Ziel der Schlichtungsge- spräche ist nur vereinzelt eine Aussöhnung,158 sondern zumeist ein unter direkti- ver Beteiligung des Schlichters ausgehandelter Vergleich. Somit sind die For- schungsergebnisse der Schlichtungs-Studie nur bedingt mit dem Forschungsge- genstand der vorliegenden Arbeit vergleichbar. Eine ausführliche interaktionistische Beschäftigung mit dem...

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