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Der Tonhöhenumfang der deutschen und russischen Sprechstimme

Vergleichende Untersuchung zur Sprechstimmlage

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Augustin Ulrich Nebert

Das Sprechen erfolgt durch die artikulatorische Realisation von Lauten und durch prosodische Merkmale, die sich unter anderem im verwendeten Tonhöhenverlauf äußern. Dem Tonhöhenbereich kommt als Ausdrucksmittel und Wikungsfaktor besondere Bedeutung zu und er ist für die logopädische, sprech-erzieherische, phoniatrische und sprachdidaktische Arbeit relevant. Bisher wurde insbesondere die mittlere Sprechstimmlage beschrieben. In dieser Arbeit wird der gesamte Tonhöhenumfang sowie die Häufigkeit der Verwendung einzelner Tonhöhenbereiche betrachtet und die Wirkung eines sensiblen Bereiches für das Deutsche akustisch und auditiv untersucht. Im Russischen wird dieser Bereich anders funktionell verwendet, wodurch Interferenzen in der Wahrnehmung deutsch sprechender Russen möglich sind. Zur Beschreibung wird ein Zusammenhang zwischen Phonationsmodus und dem verwendeten sprachenspezifischen Sprechbereich hergestellt. Die Erkenntnisse dieser Arbeit münden in Empfehlungen für den Deutschunterricht für russische Muttersprachler und für eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Terminologie.

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1 Zielstellung und Aufbau

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1.1 Einführung in den Untersuchungsgegenstand Der Tonhöhenverlauf beim Sprechen wird in einem bestimmten Tonhöhenum- fang realisiert. Dabei haben verschiedene Bereiche eine unterschiedliche kommu- nikative Funktion innerhalb einer Sprachregion. Beim Erlernen einer Fremdspra- che werden häufig die prosodischen Merkmale wie Tonhöhengebrauch und Rhythmus der Muttersprache verwendet, die in der Zielsprache jedoch eine an- dere Funktion haben können. In dieser Arbeit wurden Wegbeschreibungen und vorgelesene Texte untersucht und mittels Stimmlagenhistogrammen relativ ge- ringe Abweichungen des Tonhöhenumfangs im Russischen und Deutschen fest- gestellt. Diese Abweichungen, die bei den vorliegenden Aufnahmen im oberen Bereich liegen, ziehen jedoch eine starke Veränderung der Eindruckswirkung nach sich. Es handelt sich um einen sensiblen Bereich für deutsche Muttersprach- ler. Deutschlernenden Russen sollten in Übungen Fertigkeiten zur Vermeidung entsprechender Interferenzerscheinungen vermittelt werden. 1.2 Ziele der Untersuchung In der sprechwissenschaftlichen Literatur wurden die segmentalen Unterschiede verschiedener Sprachen bisher sehr ausführlich dargestellt (vgl. Slembek 1995, 44), weniger die suprasegmentalen (vgl. Hirschfeld 1998b, 123 ff.; Hirschfeld 2005, 520; Hirschfeld et al. 2007, 11). Die vorliegenden Untersuchungen widmen sich einem konkreten prosodischen Merkmal: Es soll festgestellt werden, welchen Unterschied es in der Verwendung des Tonhöhenumfangs im Deutschen und im Russischen in verschiedenen Sprechsituationen gibt. Dieser Tonhöhenbereich und die Höhe seiner Ansiedlung im Gesamtumfang der Sprechstimme werden hier als Sprechstimmlage bezeichnet (vgl. Kap. 2.1.7, 41). Diese soll im Sprachenver- gleich akustisch untersucht und verglichen werden. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf einer akustischen Betrachtung im Sinne dieser Begriffsverwendung, nicht auf einer...

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