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Der Tonhöhenumfang der deutschen und russischen Sprechstimme

Vergleichende Untersuchung zur Sprechstimmlage

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Augustin Ulrich Nebert

Das Sprechen erfolgt durch die artikulatorische Realisation von Lauten und durch prosodische Merkmale, die sich unter anderem im verwendeten Tonhöhenverlauf äußern. Dem Tonhöhenbereich kommt als Ausdrucksmittel und Wikungsfaktor besondere Bedeutung zu und er ist für die logopädische, sprech-erzieherische, phoniatrische und sprachdidaktische Arbeit relevant. Bisher wurde insbesondere die mittlere Sprechstimmlage beschrieben. In dieser Arbeit wird der gesamte Tonhöhenumfang sowie die Häufigkeit der Verwendung einzelner Tonhöhenbereiche betrachtet und die Wirkung eines sensiblen Bereiches für das Deutsche akustisch und auditiv untersucht. Im Russischen wird dieser Bereich anders funktionell verwendet, wodurch Interferenzen in der Wahrnehmung deutsch sprechender Russen möglich sind. Zur Beschreibung wird ein Zusammenhang zwischen Phonationsmodus und dem verwendeten sprachenspezifischen Sprechbereich hergestellt. Die Erkenntnisse dieser Arbeit münden in Empfehlungen für den Deutschunterricht für russische Muttersprachler und für eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Terminologie.

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3 Empirische Untersuchungen zur Sprechstimmlage

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3.1 Hypothesen und Ziele Im Fremdsprachenunterricht sollten nicht nur sprachliche, sondern auch spreche- rische Merkmale der Zielsprache vermittelt werden, um die Kommunikation mit Muttersprachlern zu erleichtern und Interferenzen vorzubeugen (vgl. Hirschfeld et al. 2008, 785). So kann im Russischen die Verwendung eines größeren Tonhö- henbereichs emotionale Wirkungen bei deutschen Muttersprachlern hervorrufen (vgl. Blattner 1991, 152). Hauptziel dieser Untersuchung ist, Hinweise für den Fremdsprachenunterricht geben zu können, um auf die möglichen Interferenzen hinzuweisen beziehungsweise deren Inhalte didaktisch anzuwenden. Dazu soll in unterrichtsbezogenen Sprechsituationen festgestellt werden, wie sich die Sprech- stimmlagenverwendung im Deutschen und Russischen voneinander unterschei- det. Abweichend von bisherigen Methoden, wobei Grundfrequenzmittelwerte, Stan- dardabweichungen davon oder Umfänge mit Minimal- und Maximalwerten ange- ben werden (vgl. Kap. 2.4, 108), soll hier ein Vergleich anhand von Grundfre- quenzhistogrammen vorgenommen werden. Darin ist insbesondere die Häufigkeit der Verwendung verschiedener Tonhöhenbereiche ablesbar (vgl. Kap. 2.2.1.3, 50). Weiterhin soll festgestellt werden, inwieweit die Auswertung von Grundfre- quenzhistogrammen dem Vergleich von Sprechmodi wie Vorlesen oder frei spre- chendes Beschreiben dient und bei einem Sprachenvergleich zu aussagekräftigen Ergebnissen führt. Durch die Situationsabhängigkeit des Sprechens ist davon aus- zugehen, dass in differierenden Sprechmodi auch verschiedene Tonhöhenberei- che unterschiedlich oft verwendet werden. Ziel ist es ebenfalls, festzustellen, ob die Häufigkeit verwendeter Tonhöhen beim beschreibenden freien Sprechen und Vorlesen unterschiedlich ist. Nach bisherigen Einschätzungen, die das Deutsche mit dem Russischen verglei- chen, ist davon auszugehen, dass der deutsche Sprechbereich kleiner ist (vgl. Kap. 2.5, 136)...

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