Show Less

Ernst Wilhelm Baader (1892-1962) und die Arbeitsmedizin im Nationalsozialismus

Series:

Philipp Rauh and Karl-Heinz Leven

Arbeit, Leistung und Gesundheit wurden im Nationalsozialismus ideologisch gefasst. E.W. Baader (1892-1962) setzte sich für eine fachliche Expansion und politische Aufwertung der Arbeitsmedizin ein. Er profitierte davon, dass renommierte Fachkollegen jüdischer Herkunft vertrieben wurden. Indem er seine klinisch-kasuistische Sichtweise gesundheitspolitisch und universitär zu verankern suchte, schloss er sich auf verschiedenen Handlungsfeldern der NS-Ideologie an, war in den Kriegsjahren als Sanitätsoffizier auch für die gesundheitlichen Verhältnisse in dem belgischen KZ Breendonk zuständig und ließ Menschenversuche an Zwangsarbeitern in Berlin durchführen. Die Studie wertet umfangreiches Archivmaterial aus und gelangt zu einer differenzierten Sicht auf Baader, der in den frühen Jahren der Bundesrepublik die prägende Kraft und das internationale Gesicht der deutschen Arbeitsmedizin werden sollte.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

7. Die Stunde Null? Ernst Wilhelm Baader und die Arbeitsmedizin nach 1945

Extract

Als Ernst Wilhelm Baader im Frühjahr 1946 nach einem knappen Jahr aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, blickte er einer ungewissen Zukunft entgegen. Der Weg zurück nach Berlin er- schien ihm versperrt. Seine Privatwohnung wie auch sein Universitätsin- stitut wurden am Kriegsende durch alliierte Luftangriffe zerstört. Die in der sowjetischen Besatzungszone für die „Säuberung“ der Berliner Uni- versität von nationalsozialistischen Hochschullehrern zuständige Zent- ralverwaltung für Volksbildung enthob Baader ohne Begründung aus seinem Amt als Hochschuldozent.707 Der gebürtige Berliner Baader ent- schied sich schweren Herzens für einen Neubeginn in der westfälischen Provinz, wo ihm die Position des ärztlichen Direktors des Knappschafts- krankenhauses in Hamm angeboten wurde.708 Offen bleibt, ob die Orts- wahl Hamm eher zufällig erfolgte oder ein persönlicher Kontakt eine Rol- le spielte. Möglicherweise kam das Angebot des Knappschaftskranken- hauses an Baader auf Vermittlung seines Schülers Paul Rössing zu- stande. Rössing stammte aus dem unmittelbar an Hamm angrenzenden Rhynern, so dass er womöglich alte Kontakte in die Heimat nutzte, um Baader bei dessen Suche nach einem neuen Wirkungsort behilflich zu sein.709 In seinem neuen Krankenhaus richtete Baader umgehend wieder eine klinische Abteilung für Berufskrankheiten ein. Der erste Schritt zu seiner beruflichen Rehabilitierung war getan, mit dem bevorstehenden Entnazifizierungsverfahren wartete jedoch bereits die nächste Hürde auf Baader. E.W. Baader nach 1945 Das Entnazifizierungsverfahren gegen Baader Zentraler Bestandteil des ambitionierten alliierten Programmes der politi- schen Umerziehung der Deutschen nach 1945...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.