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Das Konzept Deutschheit

Studien über Eduard Spranger

Klaus Himmelstein

Die zehn Studien des Buches über den Philosophen und Pädagogen Eduard Spranger (1882-1963) vermitteln das politische Porträt eines konservativen Intellektuellen. Spranger beteiligte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in wechselnden Herrschaftsverhältnissen, intensiv an der ideologischen Auseinandersetzung um die nationale und kulturelle Identität. In der Einheit des Deutschseins – unter Ausschluss alles Nichtdeutschen, besonders des Jüdischen – wollte Spranger die Gegensätze in der deutschen Gesellschaft und die wachsende Komplexität des modernen Lebens imaginär aufheben. Das Ideal der «Deutschheit» sollte Individualität und Staatlichkeit versöhnen. Spranger fasste diese Vorstellung in die Formel: Durchseelung des Staates und Durchstaatlichung der Seele.

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6 „Der Mann lebt für das Werk, die Frau wirkt für das Leben“. Die Konstruktion des Geschlechterverhältnisses

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167 6 „Der Mann lebt für das Werk, die Frau wirkt für das Leben“ Die Konstruktion des Geschlechterverhältnisses Die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland um die Wende zum 20. Jahr- hundert erweiterte die qualitativen, weniger dagegen die quantitativen Möglich- keiten für Frauen, am öffentlichen, sozialen und politischen Leben teilzuneh- men. Über Jahrzehnte hinweg erkämpften sich die Frauen die Zulassung zum Studium und das Wahlrecht für Frauen; es entstanden neue Frauenberufe und die Erwerbstätigkeit der Frauen stieg an. In heftigen öffentlichen Kontroversen um das Leitbild der „Neuen Frau“ und die „sexuelle Frage“ kristallisierte sich in der Weimarer Republik der soziale Wandel im Geschlechterverhältnis.1 An der Auseinandersetzung um das neue Frauenbild nach 1900 und über die Veränderung des Geschlechterverhältnisses beteiligte sich auch der Philosoph und Pädagoge Eduard Spranger. Seine Auffassung über die Geschlechter wird im Folgenden im Kontext seiner politischen und ideologischen Absichten und Interessen analysiert, um so die Differenz der Geschlechter und ihre spezifische Einbindung in die Gesellschaft darzustellen, wie sie Spranger in seiner Zeit vor- sah. Spranger äußerte sich bis zu seinem Tode mehrfach, aber nicht systematisch oder zusammenhängend über das Geschlechterverhältnis. Die Beiträge dazu sind in seinem Werk verstreut. Sie verdichten sich aber: in der Kaiserzeit, während Sprangers Qualifizierung für eine Professur; in der Weimarer Republik, durch seine Teilnahme als Professor für Philosophie und Pädagogik an den öffentli- chen Diskussionen um Frauenbildung und die Frauenrolle; in der NS-Zeit, durch Beitr...

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