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Das Konzept Deutschheit

Studien über Eduard Spranger

Klaus Himmelstein

Die zehn Studien des Buches über den Philosophen und Pädagogen Eduard Spranger (1882-1963) vermitteln das politische Porträt eines konservativen Intellektuellen. Spranger beteiligte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in wechselnden Herrschaftsverhältnissen, intensiv an der ideologischen Auseinandersetzung um die nationale und kulturelle Identität. In der Einheit des Deutschseins – unter Ausschluss alles Nichtdeutschen, besonders des Jüdischen – wollte Spranger die Gegensätze in der deutschen Gesellschaft und die wachsende Komplexität des modernen Lebens imaginär aufheben. Das Ideal der «Deutschheit» sollte Individualität und Staatlichkeit versöhnen. Spranger fasste diese Vorstellung in die Formel: Durchseelung des Staates und Durchstaatlichung der Seele.

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8 „Deutschland ist endlich erwacht“. Eduard Spranger sucht seinen Platz im NS-System

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199 8 „Deutschland ist endlich erwacht“ Eduard Spranger sucht seinen Platz im NS-System Am Vormittag des 30. Januar 1933 ernannte Paul von Hindenburg, der Reichs- präsident der Weimarer Republik, den Vorsitzenden der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), Adolf Hitler, zum Kanzler eines elfköpfi- gen „Kabinetts der nationalen Konzentration“. Neben drei Nationalsozialisten saßen fünf parteilose Minister in dieser rechtsextremen Regierung, darunter der Vizekanzler Franz von Papen. Zwei Minister gehörten der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) an, darunter der Vorsitzende der DNVP, Alfred Hugen- berg. Ein Ministerium erhielt der Vorsitzende des „Stahlhelm – Bund der Front- soldaten“, Franz Seldte. Die konservativ-rechtsextreme Mehrheit im Kabinett verfolgte das Konzept: Beseitigung der demokratischen Strukturen der Weima- rer Republik mit Hilfe der Massenpartei NSDAP und „Einrahmung“ und Kon- trolle der NSDAP-Mitglieder des Kabinetts. Diese Absicht erwies sich aller- dings recht schnell als hinfällig. Hitler und der NSDAP gelang es in kurzer Zeit, ihr Diktatur-Konzept eines „Dritten Reiches“ durchzusetzen und ihre konserva- tiven „Kontrolleure“ zu neutralisieren. Eduard Spranger, Professor für Philosophie und Pädagogik an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität kommentierte die Regierungsbildung mit der Nazi-Partei skeptisch. Er glaubte nicht mehr „an die Vernunft und an den Sach- verstand, ja nicht einmal mehr an die überwiegende Reinheit der Bewegung.“1 Als er Mitte Februar 1933 „bei dem bekannten Großindustriellen Dr. Vögler“ frühstückte, hätten sie sich über die politische Lage interessant unterhalten und sehr gut verständigt, „über Brüning und Hitler kam viel Interessantes zur Spra- che“, aber irrig erschien...

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