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Mendelssohns «Ouvertüre zum Sommernachtstraum»

Mechanismen der Rezeptionsgeschichte: Musik und Literatur in der Romantik

Jörn Rieckhoff

Die Ouvertüre zum Sommernachtstraum war die Erfolgskomposition des jungen Felix Mendelssohn Bartholdy. Mit ihrer Mischung aus Verträumtheit und jugendlichem Elan eroberte Mendelssohn die Herzen der Engländer. Zugleich war die Ouvertüre eine Visitenkarte seiner literarischen Bildung: Das zugrunde liegende Drama von William Shakespeare hatten die Romantiker zu aktueller deutscher Literatur erklärt. Durch akribische Quellensichtungen und unter Rückgriff auf historische Analysetechniken gelingt es Jörn Rieckhoff, Mendelssohns Herangehensweise an den Sommernachtstraum zu rekonstruieren. Dabei erweist sich die berühmte Komposition als Experiment, bei dem Mendelssohn poetische Strukturen aus Shakespeares Drama in kreativer Weise auf das Formmodell der Konzertouvertüre übertrug.

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III Rezeptionsgeschichte bis zu den 1870er-Jahren

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1. Die Sommernachtstraum-Ouvertüre als Erfolgsstück des jungen Mendelssohn: wichtige Aufführungen 1827-1832. 1.1 Überblick zu den frühen Aufführungen Die Ouvertüre zum Sommernachtstraum kann als Teil einer die gesamte Biogra- phie Mendelssohns überspannenden Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Er komponierte sie 1826 als Siebzehnjähriger und feierte mit ihr in den folgenden Jahren zum Teil sensationelle Erfolge bei zahlreichen Aufführungen, besonders in Deutschland und England. Bereits im Jahr 1832 – also noch vor Mendels- sohns erster Festanstellung in Düsseldorf – lag die Ouvertüre als Stimmensatz sowie als vierhändiger Klavierauszug im Druck vor; 1835 folgte der für die da- malige Zeit außergewöhnliche Partiturdruck.153 Alle drei Druckausgaben trugen auf jeweils spezifische Weise zur Verbreitung der Ouvertüre bei: Der Stimmen- druck machte die Komposition für Orchesteraufführungen verfügbar, der Kla- vierauszug sorgte dafür, dass die Ouvertüre Teil des häuslichen Musizierens werden konnte, und der Partiturdruck ermöglichte es Musikkennern und Musik- kritikern, Details von Mendelssohns Kompositions- und Instrumentationskunst kennen zu lernen bzw. zu studieren. Die praktische Verfügbarkeit des Notenmaterials trug maßgeblich zu der großen Zahl von Aufführungen ab den 1830er-Jahren in Deutschland und dem europäischen Ausland bei. Darüber hinaus ist Mendelssohns stetig wachsende Reputation als Komponist zu erwähnen: Als die 1843 fertig gestellte Schau- spielmusik zum Sommernachtstraum, die sich in vielfältiger Weise eng an die Ouvertüre anschließt, dieser Komposition erneut aktuelle Bedeutung verschaff- te, war schon die Uraufführung im...

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