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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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III. Betrug im alten Rom

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Der weitere Hintergrund: >achdem die Römer um 510 v. Chr. ihren letzten Kö- nig aus dem damals kleinen Stadtstaat vertrieben hatten, wurden sie stolze Re- publikaner. Das Streben nach königlicher Macht wurde zu einem todeswürdigen Verbrechen erklärt. Und doch gab es hinter der Fassade der republikanischen Verfassung so etwas wie dynastische, um nicht zu sagen monarchische Tendenzen. Dies hing mit dem römischen Klientelwesen zusammen. Vornehme römische Familien sammelten Anhängerschaften um sich, denen sie ihren Schutz und ihre Förde- rung anboten, wofür diese „Klienten“ ihren „Patron“, durch einen Treueid ver- pflichtet, insbesondere bei den Wahlen zu den republikanischen Ämtern unter- stützten. Diese Bindungen wurden beiderseits meist von Vater auf Sohn vererbt, woraus sich das Aufkommen wahrer Politikerdynastien ergab. Zunächst gefähr- deten diese Verhältnisse die republikanische Verfassung nicht, da es viele kon- kurrierende solcher Klientelverbände gab. Dies wurde anders, sobald einzelnen hervorragenden Männern der römi- schen Führungsschicht unter Missachtung der republikanischen Traditionen (d.h. zeitlich begrenzte Ämter und Teilung der Amtsbefugnisse mit Kollegen) Machtstellungen zuwuchsen, die sie über ihre Konkurrenten erhoben. Anlass dazu gaben die zahlreichen Kriege, die daraus resultierenden sozialen Probleme und die >otwendigkeit, das wachsende Reich auf Dauer vernünftig zu verwalten. Hier mussten Einzelnen erweiterte Befugnisse, zeitlich verlängert und oft ohne Kollegen, eingeräumt werden. War es einem der römischen Amtsträger oder Feldherren gelungen, eine solche überragende Position zu erringen, so profitierte seine Klientel, die sich natürlich immens...

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