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Die Universität Kiel in den 1960er Jahren

Ordnungen einer akademischen Institution in der Krise

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Stefan Bichow

Bildungsexpansion, Rationalisierung, Demokratisierung – die Universität Kiel sah sich wie andere westdeutsche Hochschulen in den 1960er Jahren mit Anforderungen konfrontiert, die ihr bisheriges Selbstverständnis in Frage stellten. Welche Maßnahmen ergriffen die Verantwortlichen in Universität und Politik? Wer reformierte, wer blockierte? Wie verhielten sich institutionelle Reform und studentische Revolte zueinander? Auf Basis eines eigenen Institutionskonzepts nimmt die Arbeit die drei Dimensionen geplanter, gesatzter und dargestellter Ordnung in den Blick. So erhält der Leser am Beispiel der Christian-Albrechts-Universität differenzierte Einsichten in eine dynamische Dekade deutscher Universitätsgeschichte, deren Weichenstellungen bis heute richtungsweisend sind.

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3 Gesatzte Ordnung: Kontroversen zwischen Autonomie und Mitbestimmung

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An der Christiana-Albertina harrte die Regelung der rechtlichen Verhältnisse am Ende der 1950er Jahre einer Überarbeitung. Seit 1928 war eine Satzung in Kraft, die vom preußischen Kultusminister nach dem Empfinden der Hochschule ok- troyiert worden war.244 Die Universität hatte daran aus diesem Grund über das vergangene Jahrzehnt Änderungen vorgenommen, die nun vom Kultusministeri- um abgesegnet werden sollten. Dies löste in der Folgezeit Kontroversen zwi- schen den professoralen Gremien, der Ministerialbürokratie und den Studieren- den über eine neue Grundordnung aus. Nachdem die universitären Gremien da- her seit Anfang der 1960er Jahre mit einer grundsätzlichen Revision begonnen hatten, fiel der Erlass der neuen Verfassung dann 1967 in eine Zeit, in der auch in Kiel der Protest der Studentenbewegung aufflammte, wobei die neue Verfas- sung nicht unwesentlich selbst als „Brandbeschleuniger“ gesehen werden kann. Darüber hinaus waren die langen 1960er Jahre für die Universitäten der Bundesrepublik insgesamt eine entscheidende Phase, weil hier zum ersten Mal parlamentarische Schritte unternommen wurden, um das Verhältnis zwischen Staat und Universität gesetzlich zu regeln. Mit wenigen Ausnahmen gab es bis dahin in keinem Bundesland Hochschulgesetze, um die Kompetenzen der Hoch- schulen und die Eingriffsrechte des Staates abzustecken.245 Tatsächlich befand sich die Universitätsorganisation bis dahin insofern in einem gesetzlichen Nie- mandsland, als sie einzig von den fundamentalen Garantien von Grundgesetz und Landesverfassung über die Freiheit von Forschung und Lehre in den weite- 244 Durch die „Grundsätze einer Neuordnung der preußischen Universitätsverfassung“ wurde eine...

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