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Die Universität Kiel in den 1960er Jahren

Ordnungen einer akademischen Institution in der Krise

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Stefan Bichow

Bildungsexpansion, Rationalisierung, Demokratisierung – die Universität Kiel sah sich wie andere westdeutsche Hochschulen in den 1960er Jahren mit Anforderungen konfrontiert, die ihr bisheriges Selbstverständnis in Frage stellten. Welche Maßnahmen ergriffen die Verantwortlichen in Universität und Politik? Wer reformierte, wer blockierte? Wie verhielten sich institutionelle Reform und studentische Revolte zueinander? Auf Basis eines eigenen Institutionskonzepts nimmt die Arbeit die drei Dimensionen geplanter, gesatzter und dargestellter Ordnung in den Blick. So erhält der Leser am Beispiel der Christian-Albrechts-Universität differenzierte Einsichten in eine dynamische Dekade deutscher Universitätsgeschichte, deren Weichenstellungen bis heute richtungsweisend sind.

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5 Individuum und Institution: Handeln in Krisenzeiten

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Nachdem die entscheidenden strukturellen Gegebenheiten analysiert wurden, soll zum Abschluss ein Zugang gewählt werden, der das Verhältnis von indivi- duellen Handlungsräumen und institutioneller Ordnung unter die Lupe nimmt. Anhand der zwei folgenden Beispiele lässt sich exemplarisch das Verhältnis zwischen den die Proteste schürenden Strukturproblemen und den Entscheidun- gen exponierter Personen des akademischen Lebens werfen. So sehr es richtig ist, dass sich das Mobilisierungspotential der Studierenden zu einem beträchtli- chen Teil nur unter der Berücksichtigung längerfristiger kultureller und ideolo- gischer Zusammenhänge erklären lässt, 651 so sehr stimmt es auf der anderen Seite auch, dass es die konkret im universitären Kontext erfahrbaren institutio- nellen Probleme waren, die in den meisten Fällen den Anlass zum Protest dar- stellten und den linken Hochschulgruppen breitere Unterstützung verschafften. So hatten die Kieler Studierenden Anfang 1968 unter dem Eindruck der drohen- den „Zwangsexmatrikulation“ bei hoher Beteiligung zum ersten Mal einen lin- ken AStA gewählt.652 Nach der Auflösung des SDS 1970 bildeten sich wie an anderen bundesdeutschen Universitäten auch in Kiel zahlreiche linksextreme „K-Gruppen“,653 so etwa KPD/ML, Rote Garde oder Rote Zellen, die sich trotz unterschiedlicher Zielsetzungen durch Koalitionen den Rückgriff auf die organi- satorischen Ressourcen der verfassten Studentenschaft zu sichern versuchten und so die Ordnungen der Hochschule herausforderten. Dies galt zumal in der Zeit der endgültigen Verabschiedung des, wie gesehen, nicht nur von einer klei- nen studentischen Minderheit abgelehnten Hochschulgesetzes in den Jahren 1972/1973. Den Problemen...

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