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Die Universität Kiel in den 1960er Jahren

Ordnungen einer akademischen Institution in der Krise

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Stefan Bichow

Bildungsexpansion, Rationalisierung, Demokratisierung – die Universität Kiel sah sich wie andere westdeutsche Hochschulen in den 1960er Jahren mit Anforderungen konfrontiert, die ihr bisheriges Selbstverständnis in Frage stellten. Welche Maßnahmen ergriffen die Verantwortlichen in Universität und Politik? Wer reformierte, wer blockierte? Wie verhielten sich institutionelle Reform und studentische Revolte zueinander? Auf Basis eines eigenen Institutionskonzepts nimmt die Arbeit die drei Dimensionen geplanter, gesatzter und dargestellter Ordnung in den Blick. So erhält der Leser am Beispiel der Christian-Albrechts-Universität differenzierte Einsichten in eine dynamische Dekade deutscher Universitätsgeschichte, deren Weichenstellungen bis heute richtungsweisend sind.

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6 Schlussbetrachtung

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Die Untersuchung der Entwicklung der Christian-Albrechts-Universität in den Dimensionen der geplanten, gesatzten und dargestellten Ordnung eröffnet analy- tisch einige Erklärungsansätze, die zu einem vertieften Verständnis ihrer institu- tionellen Geschichte in den langen 1960er Jahre beitragen. Der enorme Anstieg der Studierendenzahlen rückte die Entwicklung der Universität und ihren Bei- trag zur gesamtgesellschaftlichen Leistungsfähigkeit in einer Zeit des prokla- mierten „Bildungsnotstands“ immer stärker ins Licht einer weiteren Öffentlich- keit. War die Zahl der Immatrikulierten allein zwischen 1955 bis 1965 von 2.369 auf 7.113 angestiegen, hatte sie sich bis 1975 sogar vervierfacht. Dies war nur möglich, indem der Bau- und Personalbestand massiv erweitert und die da- für notwendigen Mittel durch Land und Bund bereitgestellt wurden. Die mit die- sen Ressourcen realisierten Erweiterungsprojekte am Westring und um die heu- tige Leibnizstraße, welche im Prinzip bis heute die räumliche Ausdehnung der CAU begrenzen, sollten den stark gestiegenen Raumbedarf befriedigen. Mit der ebenfalls imposanten Wachstumsrate neuer Stellen – von 1960 bis 1966 stieg die Anzahl der Lehrstühle um 50 Prozent, die des Mittelbaus sogar noch weit stärker – reagierte der Landtag auf den Personalmangel in der Erwartung, dass die Universität vor allem ihrer Ausbildungsfunktion nachkommen möge. Als problematisch stellte sich aber bald heraus, dass die zunächst maßgeblichen Prognosen des Wissenschaftsrats nicht mit der tatsächlichen Entwicklung Schritt hielten. Gleichzeitig führten bautechnische Kapazitätsprobleme und Engpässe beim wissenschaftlichen Nachwuchs zu weiteren Diskrepanzen, wegen derer die Kieler Studierenden im...

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