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Islamisches Zivilrecht der hanafitischen Lehre

Die zivilrechtliche Kodifikation des Qadrî Pâshâ

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Hans-Georg Ebert and Assem Hefny

Auf der Grundlage der hanafitischen Rechtsliteratur erstellte der ägyptische Jurist Muhammad Qadrî Pâshâ eine zivilrechtliche Kodifikation, die erstmals im Jahre 1891 in Ägypten aus seinem Nachlass veröffentlicht wurde. Nach dem Muster der osmanischen Mecelle formulierte Qadrî Pâshâ einen Rechtstext, der schuld-, sachen- und verfahrensrechtliche Bestimmungen enthält. Für die neu gebildeten Rechtsschulen des Landes diente die Kodifikation als Orientierung hinsichtlich des islamischen Zivilrechts. Die späteren Zivilgesetzbücher einiger arabischer Länder wie Ägypten, Jordanien und Irak beziehen sich in einzelnen Regelungen auf den Text. Auch außerhalb der arabischen Welt wurde das Gesetzbuch eine wichtige Referenzquelle für das islamische Zivilrecht. Die Übersetzung folgt der ursprünglichen arabischen Textvorlage. In den Kommentaren und Erläuterungen werden sowohl die islamisch-rechtlichen Begriffe als auch die Besonderheiten der rechtlichen Systematik herausgearbeitet.

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I. Einführung

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1. Muḥammad Qadrī Pāšā: Leben und Werk1 Muḥammad Qadrī Pāšā2 wurde im Jahre 1821 in der oberägyptischen Stadt (ṣa‛īd) Mallawī, einem Ort etwa 30 km südlich von der heutigen Provinzhaupt- stadt al-Minyā entfernt, geboren. Sein Vater stammt aus Anatolien, dem asiati- schen Teil der heutigen Türkei, und diente im Gebiet Mallawī als Steuerpächter3 und Richter. Seine Mutter war Oberägypterin. Die beiden Halbbrüder aus einer früheren Ehe seines Vaters lebten außerhalb Ägyptens in Anatolien bzw. Istan- bul. Nach dem Besuch einer Privatschule in Mallawī ging Muḥammad Qadrī Pāšā nach Kairo, um sich dort an der Sprachenschule (madrasat alsun) zu immatriku- lieren. Der Leiter der Schule war ab Januar 1837 Rifā‛a aṭ-Ṭahṭāwī (gest. 1873), den mit Muḥammad Qadrī Pāšā nicht nur das Interesse für Sprachen und moder- ne Wissenschaften, sondern auch seine oberägyptische Herkunft verband. In der Stadt Mallawī versuchte sich Rifā‛a aṭ-Ṭahṭāwī noch vor Beginn seines Studi- ums an der Azhar-Universität von Kairo als Lehrer an der dortigen Yūsufī- Moschee. 4 Neben seinen Studien an der Sprachenschule besuchte Muḥammad Qadrī Pāšā Kurse bei berühmten Azhar-Gelehrten zur damaligen Zeit. Nach er- folgreichem Abschluss der Sprachenschule wurde er zum Übersetzungsassisten- ten (mutarğim musā‛id) ernannt. Gleichzeitig beschäftigte er sich an der Azhar- Universität mit islamischer Jurisprudenz. Damit war eine wichtige Grundlage für seine spätere berufliche und wissenschaftliche Tätigkeit...

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