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Begriffswandel als Sprachhandlung

Der Beitrag Quentin Skinners zur Methodologie und Funktionsbestimmung der pädagogischen Geschichtsschreibung

Markus Erben

Einen Verständigungszusammenhang anzubahnen zwischen (traditioneller) pädagogischer und (moderner) erziehungswissenschaftlicher Historiographie ist Ziel der Studie. Sie rezipiert hierfür den führenden Vertreter der Cambridge School der politischen Ideengeschichte: Quentin Skinner. Statt mit ihm die fragwürdige Dichotomie Traditionspflege / Forschung zu zementieren, fragt die Arbeit nach seinem grundlegenden Beitrag für die Methodologie und Funktionsbestimmung der Historischen Pädagogik. Ein besonderes Augenmerk gilt der sprachlichen und praktischen Kontextualisierung vergangener Autorenintentionen sowie der Historie als ideologiekritischer Bildung. Damit wird seine Methodologie erstmals einer eingehenden Auseinandersetzung unterworfen und im Schnittfeld von Pädagogik, Geschichte und Politik verortet.

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1. Problemstellung

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In seinem Aufsatz ‚Quo vadis – Pädagogik?’ hat WINFRIED BÖHM den virulenten Richtungsstreit innerhalb der Fachdisziplin Pädagogik/Erziehungswissenschaft am Beispiel der Historischen Pädagogik beschrieben, analysiert und zusammengefasst (vgl. BÖHM 2005). Dieser Streit spielt sich zwischen einer überwiegend ideen- geschichtlich argumentierenden Geschichte der Pädagogik und einer sich vor- nehmlich an den Sozialwissenschaften orientierenden und deren Methodendesign übernehmenden erziehungswissenschaftlichen Historiographie ab. Er hat, so BÖHM, seinen Ursprung und Grund in dem von WOLFGANG BREZINKA Anfang der 1970er Jahre ausgerufenen Transformationspostulat in der Pädagogik. Es sollte sich in der Wende von einer praktischen und philosophischen Pädagogik zu einer empirisch-analytischen Erziehungswissenschaft verwirklichen (vgl. BREZINKA 1991). „Während die Praktische Pädagogik mit Orientierungsfragen zu tun hat und die Philosophie der Erziehung sich mit Normfragen befasst, kommt allein der von Brezinka so bezeichneten Erziehungswissenschaft als Teildisziplin der empirischen Sozialwissenschaften wissenschaftliche Dignität zu.“ (BÖHM 2006, S. 196) Auf der Mikroebene der pädagogischen Geschichtsschreibung vollzieht sich ein analoger Wechsel: „Die Geschichte der Pädagogik wird bereits von Brezinka in Histo- riographie der Erziehung umgetauft und als ein unerschöpflicher [sic!] Reservoir zur erziehungswissenschaftlichen Hypothesenbildung angesehen.“ (ebd., S. 197) Inzwischen seien, entgegen den Intentionen BREZINKAs, beide Wissen- schaftstypen auseinandergefallen – befördert durch die von NIKLAS LUHMANN getroffene Unterscheidung und Scheidung von Erziehungssystem und Wissenschaftssystem. Im Sinne dieser Trennung wird Wissenschaft im Wissenschaftssystem nicht mehr betrieben vom Standort der pädagogischen Verantwortung und des theoretischen Engagements aus, sondern sie zieht sich zurück auf die Position der Beobachtung...

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