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Roman und Persönlichkeitsrecht

Ein partikulardogmatischer Entwurf

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Christoph Wege

Wer sich in einer Romanerzählung als Person wiedererkannt fühlt, muss das grundsätzlich hinnehmen, weil Kunstkommunikation nach außen wie ein Filter wirkt, der Verletzungen des Persönlichkeitsrechts abmildert. Die Arbeit konstruiert Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrecht – aufeinander zugerichtet – neu. Dass Rechtsnormen nicht mit dem Buchstaben des Gesetzes identisch sind, sondern erst im Prozess ihrer eigenen Anwendung entstehen, bildet das nachpositivistisch-konstruktivistische Fundament hierfür. Dabei entsteht eine Landschaft partikulardogmatischer Innovationen, auf der sich die Lösung des juristischen Problems darbietet.

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Einführung: Fiktionale Welten und reale Persönlichkeitsverletzungen

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I. Sachverhalt Wer auf absolute Diskretion bedacht ist, sollte vorsichtshalber von gar zu engen Beziehungen mit Schriftstellern Abstand nehmen. Maxim Biller ist Schriftsteller. Ebenso wie der Ich-Erzähler Adam seines Romans „Esra“. Und Esra, Adams Freundin, ist auf absolute Diskretion bedacht: „Ich will es nicht. Ich will mich nicht schämen vor dir. Ich will dir nicht meine Brüste zeigen und später irgend- wo lesen, daß ich dir meine Brüste gezeigt habe.“1 „Zeig her“, läßt Biller Adam lachend antworten. Schon diese kurze Dialogsequenz belegt einen für die Lektüre von „Esra“ typi- schen Aufmerksamkeitswechsel. Weg von den konkreten Schicksalen der Roman- figuren hin zu den Entstehungs- und Kommunikationsbedingungen des Romans als Kunsterzeugnis, das auf reale Personen und reale Ereignisse als Werkstoffe an- gewiesen ist. Die Aufmerksamkeit wandert von der Fiktion des Romanprodukts in die Wirklichkeit der Romanproduktion. Was unterscheidet fiktionale von nichtfiktionalen Darstellungen und wie sind Fiktion und Wirklichkeit strukturell miteinander verkoppelt? – Fragen von fiktions- und literaturtheoretischem, zu- nächst weniger von juristischem Interesse; um die Indiskretionen fiktiver Schrift- steller gegenüber fiktiven Personen scheren sich allenfalls fiktive Juristen. Was aber, wenn Biller seine Romanfiguren das vorwegnehmen ließ, was ihn als Reaktion auf die Veröffentlichung seines Romans im Frühjahr 2003 erwarten würde: Ein langwieriger Rechtsstreit mit seiner ehemaligen Freundin, die eine mehrjährige Liebesbeziehung zu Biller unterhielt und sich nun gegen einen Roman wehrt, in dem sie sich als Person wiedererkannt fühlt. „Esra“ sei kein Roman, sondern eine Biographie ohne...

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