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Roman und Persönlichkeitsrecht

Ein partikulardogmatischer Entwurf

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Christoph Wege

Wer sich in einer Romanerzählung als Person wiedererkannt fühlt, muss das grundsätzlich hinnehmen, weil Kunstkommunikation nach außen wie ein Filter wirkt, der Verletzungen des Persönlichkeitsrechts abmildert. Die Arbeit konstruiert Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrecht – aufeinander zugerichtet – neu. Dass Rechtsnormen nicht mit dem Buchstaben des Gesetzes identisch sind, sondern erst im Prozess ihrer eigenen Anwendung entstehen, bildet das nachpositivistisch-konstruktivistische Fundament hierfür. Dabei entsteht eine Landschaft partikulardogmatischer Innovationen, auf der sich die Lösung des juristischen Problems darbietet.

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Kapitel 5: Fiktion-Hypothese-Dogma:Ein Abwägungsmodell

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69 Kapitel 5: Fiktion-Hypothese-Dogma: Ein Abwägungsmodell Das Allgemeine Persönlichkeitsrecht schützt vor Kommunikationen und Beobach- tungen, die geeignet sind, sich nachteilig auf die psychisch-soziale Integrität der Person auszuwirken. Referenzialisierbarer Romanstoff ermöglicht Faktualitäts- hypothesen als textimmanente Interpretationsmöglichkeiten. Zählen Romanfigu- ren und deren Handlungen zum referenzialisierbaren Romanstoff, stellt die dadurch ermöglichte Faktualitätshypothese eine beobachtende Verbindung zwischen Figur und Person her. Auf diese Art greift Gefährlicher Stoff in den Schutzbereich des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts ein. Wegen der normbereichsspezifischen In- nenräumlichkeit der Kunstfreiheit ist die Form der Beobachtung, die Romane auf Personen ermöglichen, mit einem Beobachtungsdämpfer versehen, der Figur und Person auf Distanz hält. Im Vergleich zur Personenbeobachtung faktualer Texte steht zwischen Figur und Person immer der Filter der Hypothetizität. Wegen der unüberbrückbaren Differenz zwischen Figur und Person im Medium Referen- zialisierbarkeit ist Hypothetizität bei der Abwägung der in Konflikt stehenden Grundrechte zwingend mitzuverarbeiten. Die Ausarbeitung und Mitverarbeitung normbereichsspezifischer Innenräumlichkeit ergibt sich als Normanwendungsbe- fehl aus der Geschlossenheit geschlossener Grundrechte. So sieht – in knapper Skizze – das Ergebnis unserer partikulardogmatischen Anreicherungen des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts und der Kunstfreiheit aus. Wir rekapitulieren: Die Anreicherung war nötig, weil die „Esra“-Entscheidung des BVerfG nicht nur fiktionstheoretisch, sondern auch grundrechtsdogmatisch nicht auf sicherem Boden stand. Nach der fiktionstheoretischen Reformulierung und der partikulardogmatischen Anreicherung der drei mittleren Kapitel dürfte die vorliegende Arbeit nun hinreichend festen Boden geschaffen haben, um ihr eigenes Abwägungsmodell zur Debatte zu stellen....

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