Show Less

Selektive Modernisierung und Strukturstabilität

Anpassungsmuster der Old Order Amischgemeinschaft

Series:

Axel Schmidt

Amischgemeinschaften in Nordamerika bestehen seit 300 Jahren in einer sie umschließenden Moderne. Es gelingt ihnen, ihre typischen Traditionsformen und Lebensweisen beharrlich und erfolgreich über lange Zeiträume aufrechtzuerhalten und sich als religiöse Minderheit zu behaupten. Um zu erklären, wie dies möglich ist, untersucht der Autor verschiedene Aspekte von Beständigkeit und Wandel in der Amischgemeinschaft. Es stellt sich heraus, dass Entscheidungsfindungen im religiösen und im weltlichen Bereich sich an bestimmten Kriterien orientieren. Diese werden in verschiedenen Modellen dargestellt, die über die bislang vorliegenden Erklärungsversuche von Einzelfallexplikation hinausgehen. Konkrete Zielsetzung der Arbeit ist es, die außergewöhnliche Stabilität dieser in sich abgeschlossenen Gemeinschaft durch die Selektive Modernisierung zu erklären.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

6 Das Dordrechter Bekenntnis von 1632

Extract

6.1 Das Dordrechter Bekenntnis als Handlungsmaxime und Selektionsmuster für Entscheidungen Was ist das Dordrechter Bekenntnis? Das Dordrechter Bekenntnis wurde 1632 gedruckt und besteht aus achtzehn Ar- tikeln mit zahlreichen Verweisen auf Bibelstellen. Es ist ohne Zweifel das ein- flussreichste und am meisten verbreitete Bekenntnis im anabaptistischen Glau- bensraum und bis heute das verbindliche Glaubensbekenntnis der Old Order Amish und der Conservative Mennonites.1014 Die These ist, dass es eine Struktur enthält, die die Frage nach den Gründen für die Zulassung / Nichtzulassung be- stimmter Neuerungen in der Amischgemeinschaft beantworten kann. Seit dem 16. Jahrhundert war es üblich geworden, eigene religiöse Stand- punkte in Bekenntnisse zu fassen, die eine dichotome Aufgabe hatten. Erstens ging und geht es um Abgrenzung des eigenen Standpunktes gegenüber anderen Konfessionen und zweitens darum, widerstrebende Meinungen in der eigenen Gemeinschaft auf einer Basis zu verorten, wobei die Legitimation des Nieder- geschriebenen sich direkt aus der Bibel ergab.1015 Die Bekenntnisformel orien- tierte sich am apostolischen Glaubensbekenntnis und streng am Bibeltext, wo- rauf auch die zahlreichen zitierten Bibelfundstellen verweisen. Die Ausformulie- rung des Dordrechter Bekenntnisses „war mild im Ton und ohne jede Polemik“, die Wortwahl „schlicht und zu Herzen gehend, nicht theologisch zugespitzt.“1016 Bestimmt war es für alle Mitglieder der Gemeinde und weniger missionarisch orientiert. Es sollte einigend und bestärkend wirken und war auf die Konstrukti- on breiten Konsenses ausgerichtet.1017 Deutliche Unterschiede zu anderen Bekenntnissen sind in sechs Artikeln des Dordrechter Bekenntnisses auszumachen: „Von der Taufe“ (7), „Von der Fuß-...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.