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Gloire à Dieu seul

Protestantismus in der französischen Prosaliteratur des 16. Jahrhunderts

Bianca Jarlan

Frankreich im 16. Jahrhundert: Die Frage nach dem rechten Glauben spaltet eine ganze Nation und führt zu blutigen Bürgerkriegen. Auch die Autoren in dieser theologisch-hermeneutischen Studie sehen sich mit ihr konfrontiert: Marguerite de Navarre, François Rabelais, Henri Estienne und Michel de Montaigne. Die Theologie ihrer Werke, Gegenstand jahrhundertelanger Spekulationen, ist das Thema der vorliegenden Untersuchung, die im Bereich der Literaturwissenschaft methodisches Neuland betritt. Die Arbeit beurteilt mit Hilfe fundamentaler protestantischer Glaubensinhalte und einschlägiger Traktate des 15. und 16. Jahrhunderts die genannten Autoren hinsichtlich ihrer Religiosität, geht konfessionellen Vorurteilen auf den Grund und gewährt differenzierte theologische und geschichtliche Einblicke.

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2 Hintergründe

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2.1 Geschichtlich-politische Hintergründe Zur Klärung des Vorverständnisses58 für die Textanalyse ist es zunächst not- wendig, sich mit geschichtlichen bzw. theologischen Hintergründen zu befassen. Doch wer über Reformation und Religionskriege reden will, muss bei der Politik anfangen, denn wie fast jeder religiöse Konflikt waren auch die Auseinanderset- zungen zwischen Protestanten und Katholiken im 16. Jahrhundert nie rein reli- giöser Natur und und sollten daher immer in ihrem politischen Kontext betrach- tet werden: Die Nationalstaaten bilden sich heraus und mit ihnen das nationale Bewusstsein der europäischen Völker. Die europäische Zivilisation streckte ihre Fühler in die neue Welt aus, die sie mit viel Sendungsbewusstsein zu sozialisie- ren suchte. Die abendländischen Herrschaftshäuser emanzipierten sich vom Papsttum und wollten sich ihre Innen- und Außenpolitik immer weniger vom Heiligen Stuhl in Rom diktieren lassen. Schließlich traten die Osmanen auf die weltpolitische Bühne und beanspruchten ihren Teil vom machtpolitischen Ku- chen.59 Letztendlich ging es vor allem um Macht; insbesondere um die Vorherr- schaft in Europa und der neuen Welt, die jeder für sich beanspruchte: England, die habsburgischen Lande und Frankreich, das mit dem Auftreten der Jeanne d’Arc und selbstbewussten Königen wie Charles VII (1422-1461), Louis XI (1461-1483), Charles VIII. (1483-1498), Louis XII. (1498-1515) und François Ier (1515-1547) zu einem territorial homogenen und innerlich geeinten Staat ge- worden war.60 Dies ist nicht unerheblich für die Beurteilung der religiösen Aus- einandersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts. Die...

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