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Gloire à Dieu seul

Protestantismus in der französischen Prosaliteratur des 16. Jahrhunderts

Bianca Jarlan

Frankreich im 16. Jahrhundert: Die Frage nach dem rechten Glauben spaltet eine ganze Nation und führt zu blutigen Bürgerkriegen. Auch die Autoren in dieser theologisch-hermeneutischen Studie sehen sich mit ihr konfrontiert: Marguerite de Navarre, François Rabelais, Henri Estienne und Michel de Montaigne. Die Theologie ihrer Werke, Gegenstand jahrhundertelanger Spekulationen, ist das Thema der vorliegenden Untersuchung, die im Bereich der Literaturwissenschaft methodisches Neuland betritt. Die Arbeit beurteilt mit Hilfe fundamentaler protestantischer Glaubensinhalte und einschlägiger Traktate des 15. und 16. Jahrhunderts die genannten Autoren hinsichtlich ihrer Religiosität, geht konfessionellen Vorurteilen auf den Grund und gewährt differenzierte theologische und geschichtliche Einblicke.

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3 Eine Avantgardistin in höchsten Kreisen: Marguerite de Navarre und ihr Heptaméron

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Marguerite de Navarre verfasste die Novellen für ihr Heptaméron nach dem Vorbild Boccaccios, der im Prolog erwähnt wird.321 Ihr vordergründiges Thema ist die Liebe: Zehn Edelleute, die auf der Rückreise aus dem Bade- und Kurort Cauderès in den Pyrenäen von einem Hochwasser überrascht werden, sitzen in einem Kloster fest und vertreiben sich die Zeit mit dem Erzählen von Liebens- geschichten. Die Geschichten wurden 1558 zunächst anonym unter dem Titel Histoire des Amans fortunez in Paris veröffentlicht.322 1559 erschien das Werk als L’Heptaméron des Nouvelles… de Marguerite de Valois, Royne de Navarre; der Titel ist eine Erfindung des Herausgebers Gruget.323 Dass Marguerite ihrem Werk höchstwahrscheinlich eine Zehn-Tage-Einteilung nach dem Vorbild Boc- cacchios zugedacht hatte,324 liegt auf der Hand: Es bricht mit Ankündigung einer 321 Marguerite de Navarre, Heptaméron, kritische Ausgabe von Reyff (1982), Prologue, S. 47. Auf diese Ausgabe beziehen sich auch alle weiteren französischen Zitate und Quellenangaben aus dem Heptaméron – sofern nicht anders kenntlich gemacht. Bei den Quellenangaben bedeutet P Prologue, R Rahmenhandlung und N Novelle. 322 Vgl. Amelung in seinem Nachwort zum Heptameron, München, 1960, S. 775. 323 Vgl. Grimm (Hrsg., 1989), S. 124. 324 Vgl. ebd., S. 775f.; vgl. auch Gaillard (2005), S. 86ff., der eine gewisse Parallelität zu Boccaccio sieht – aber keine Imitation. Als Argument zitiert er beispielsweise Parla- mente aus dem Prologue: « Et promirent lesdites dames, et monseigneur le Dauphin avec, d’en faire chacun dix, et d’assembler...

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