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Die Grande Armée in Deutschland 1805 bis 1814

Wahrnehmungen und Erfahrungen von Militärpersonen und Zivilbevölkerung

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Stephanie Poßelt

Die Napoleonischen Kriege von 1805 bis 1814 stellten die Menschen in Deutschland nicht nur aufgrund von Kriegsbelastungen, sondern auch hinsichtlich gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen vor neue Herausforderungen. Das Buch untersucht diese Umbruchszeit aus kultur- und sozialgeschichtlicher Perspektive. Im Fokus stehen die Kriegserfahrungen sowohl der deutschen Bevölkerung als auch der Soldaten der Grande Armée und deren gegenseitige Wechselwirkung im zivilen und militärischen Alltag einer ständig dem Wandel unterlegenen Lebenswelt. Die Studie gewährt zudem Einblicke in Wahrnehmungen, Sinnstiftungen und Umdeutungen, die auf zeitgenössischen und retrospektiv verfassten Quellen basieren.

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8 Religiöse Konfliktbewältigung und Sinnstiftung

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Griff man in der andauernden Krisenzeit mit all ihren Entbehrungen und Prob- lemen vermehrt auf religiöse Bewältigung und Sinnstiftung zurück? Sorgten die Strukturen der Glaubenswelt für mehr „Verhaltenssicherheit“1 in der Lebenswelt der Bevölkerung oder der Soldaten? An dieser Stelle soll aufgezeigt werden, inwiefern die Verfasser der Selbstzeugnisse religiöse Bewältigungsstrategien anwendeten und ob die Spannungen, denen die Menschen in einem Krieg ausge- setzt waren, in einem religiösen Sinn gedeutet wurden. Dabei wird auf Ausdrü- cke wie „Volksfrömmigkeit“, „Volksglauben“ oder „populare Religiosität“2 ver- zichtet, da diesen Termini eine allgemeine Definition fehlt und nur im Kontext des Untersuchungsgegenstands eindeutig zu konnotieren sind. Frömmigkeit wird in den Selbstzeugnissen als Ausdrucksform des persönlichen Glaubens unab- hängig der kirchlichen Zugehörigkeit verstanden. In einer Zeit der Aufklärung, in der vermehrt Säkularisierungen stattfanden und mit dem Heiligen Römischen Reich auch die Reichskirche unterging, wurde dennoch die Suche nach Sicherheit und Erklärungsmustern im religiösen Sinn nicht aufgegeben. Frömmigkeit bestimmte in all ihren Erscheinungsformen das Weltbild der Menschen und Rituale und Bräuche waren in das soziale Leben eingebunden. Ein soziales Ritualsystem wie es die Religionen bereitstellten, konnte durchaus die enormen Lasten erleichtern. Sowohl der Katholizismus als auch der Protestantismus waren auf eine Durchdringung des Alltags der Men- schen ausgerichtet und umfassten verschiedene Sozialschichten, je nach Bildung und Lebensumfeld. Vor allem die Landbevölkerung hing noch den traditionellen Frömmigkeitsformen an und wehrte sich zum Beispiel heftig...

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