Show Less

Psychologie – Genese einer Wissenschaft

Eine problemgeschichtliche Analyse zum Diskurs des Unbewussten

Series:

Ingmar Zalewski

Die Psychologie ist eine junge Wissenschaft. Ihre Geschichte beginnt erst 1879, als Wilhelm Wundt das erste experimentalpsychologische Labor der Welt in Leipzig eröffnet. Doch warum ist die Erzählung der Institutsgründung so populär? Ist nicht erst ein eigenständiges wissenschaftstheoretisches Fundament für die Geburt einer Disziplin konstitutiv? Das vorliegende Buch entwickelt alternative Sichtweisen auf die Genese der Psychologie und greift dabei nicht auf die herkömmliche Erzählung des paradigmatischen Bruchs zurück. Am Beispiel der Debatten zum Unbewussten werden Traditionslinien aufgezeigt, die in Wundts Gesamtkonzeption der Psychologie zusammenlaufen. Ihre Etablierung wird damit nicht primär mit dessen experimentalpsychologischer Pionierarbeit begründet. Stattdessen wird Wundts vermittelnde Position zwischen Geistes- und Naturwissenschaften herausgestellt und für die gegenwärtige Fachdiskussion neu aufbereitet.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

III Traditionslinie des volitiven Unbewussten

Extract

5 Schopenhauer 5.1. Metatheoretische Einordnung 5.1.1. Die Wende zur Natur Die Philosophie Schopenhauers, und damit auch alle weiteren Entwick- lungen der Traditionslinie des volitiven Unbewussten, tragen einer wich- tigen Zäsur innerhalb der deutschen Philosophie Rechnung, deren kurze Erläuterung Voraussetzung für das weitere Verständnis ist. Aus diesem Grunde ist im Rahmen der Einführung in die Lesart der Schopenhau- er’schen Philosophie die Person Schopenhauer kurz hinten angestellt. Zu besagter Zäsur kommt es etwa um das Jahr 1800. Später auch als Wende zur Natur bezeichnet, besteht selbige in einer naturphilosophi- schen Gegenbewegung zur traditionellen Vernunftmetaphysik der Auf- klärung. Während die Philosophie der Aufklärung und Romantik noch eine schonungslose Auseinandersetzung mit der Natur des Menschen scheute, hat es sich die Naturphilosophie zum Ziel gesetzt, dieses Manko systematisch aufzuarbeiten. Somit wird quasi die Aufklärung über sich selbst aufgeklärt (Gödde, 2009, S. 37 ff.; Marquard, 1987, S. 198 ff.). Schon Goethe sowie Kant in seiner Anthropologie, vor allem aber der junge Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling [1775–1854] rücken im Zuge dessen eine bedingungslose Naturbejahung ins Zentrum der Sicht auf den Menschen. Marquard (1987) nennt eine diesbezügliche Verschiebung des Menschenbildes auch die „Entzauberung der Roman- tiknatur“ (S. 199). Aus der Begriffsgeschichtlichen Einführung ist bereits bekannt, dass Schelling um 1800 in seinem System des Transzendentalen Idealismus das Substantiv das Unbewusste einführt. Wie Gödde (2009, S. 41) her- ausarbeitet, betont er dabei die „Naturbestimmtheit des Unbewussten“, 70 indem er das...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.