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Schreiben in Ost und West

Ostdeutsche Autoren von Kinder- und Jugendliteratur vor und nach der Wende

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Maria Becker

Ostdeutsche Kinder- und Jugendbuchautoren waren nach der Wende gänzlich neuen Produktionsbedingungen ausgesetzt. «Der Kapitalismus muss gelernt werden ...» So formulierte es 2010 die ehemalige Cheflektorin des Kinderbuchverlags der DDR Katrin Pieper. Selbst renommierten Autorinnen und Autoren Ostdeutschlands ist dieser Lernprozess nur ansatzweise gelungen, sofern sie sich überhaupt darauf einlassen wollten. Den Strukturen des bundesdeutschen Kinder- und Jugendbuchmarkts entsprach ein Anforderungsprofil, dem die einst erfolgreichen DDR-Literaten kaum gerecht werden konnten. Im Zentrum der vorliegenden Studie steht das literarische Schaffen von sechs DDR-Autoren vor und nach der Wende von 1989/90: Christa Kożik, Wolf Spillner, Jutta Schlott, Peter Abraham, Uwe Kant und Günter Saalmann.

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4. Kinder- und Jugendliteratur als Kulturindustrie

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4.1 Die Theorie der Kulturindustrie nach Theodor W. Adorno In dem gemeinsamen Werk Dialektik der Aufklärung (1947)52 der neomarxisti­ schen Theoretiker Theodor W. Adorno und Max Horkheimer unterbreitet Adorno die Theorie der Kulturindustrie, in welcher er die fundamentalen Gesetzmäßig­ keiten kulturindustrieller Organismen kritisch beleuchtet. Die dort artikulierten Auffassungen gelten als elementare Lehrsätze seiner gesamten Gesellschafts­ theorie. Adorno war bekannter Vertreter der Frankfurter Schule53 des Instituts für Sozialforschung, erwies sich aber auch innerhalb der Literatursoziologie als zentraler Akteur. Die Theorie der Kulturindustrie ist durch Adornos Emigration in die USA (1938 – 1949) maßgeblich von den dort stattfindenden Industrieentwicklun­ gen beeinflusst. Der Terminus „Kulturindustrie“ resultiert aus der von Adorno ursprünglich verwendeten Begriffsdefinition „Massenkultur“, mit der er das Phänomen bereits treffend charakterisiert. Kulturindustrie meint das Kommer­ zielle, die Massenproduktion kultureller Erzeugnisse und deren industriellen Bedingungen (Großkonzerne, Profitinteressen etc.) in der kapitalistischen Markt­ wirtschaft. Adorno zählte zu diesem Bereich Radio, Jazz­Musik, Film (Holly­ woodfilm), TV oder auch Printmedien. Derzeit können diese durch kommer­ ziell betriebene und auf Massen ausgerichtete Medien wie das Internet ergänzt werden. Tendenziell nicht bzw. eher gering am Mainstream orientierte Produkte sind unter anderem Tageszeitungen.54 52 Die 1944 vollendete Abhandlung erscheint erstmalig im Jahr 1947 in dem ehemaligen Exilan­ ten­Verlag Querido (Amsterdam). 53 Weitere Vertreter sind: Max Horkheimer, Herbert Marcuse, Jürgen Habermas, Leo Löwen thal. 54 Tageszeitungen werden hier nur „tendenziell“ d. h. keineswegs monolithisch als nicht­main­ stream orientierte Produkte deklariert, da sie durch Werbeanzeigen...

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