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Hausväter

im Drama Lessings und des Sturms und Drangs- Über deutsche Dichtungen 7

Wolfgang Wittkowski

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Plädoyer für Heinrich Leopold Wagners Dramen Die Reue nach der Tat und Die Kindermörderin

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1. Wagners Dramen in der Kritik damals und heute Wagner ist bekannt durch Die Kindermörderin (1776), und am mei- sten durch deren berüchtigten 1. Akt. Er spielt im Bordell. Das Mi- lieu wird, wie Schiller gesagt hätte, naturalistisch detailliert verge- genwärtigt. Bordellmäßig sind Atmosphäre, Benehmen und Rede- weise des Personals. Auch die drei Gäste führen sich nicht eben fein auf. Mutter und Tochter Humbrecht besuchten gegen das Verbot des Hausvaters den Karnevalsball der Offiziere. Nun kommen sie von dort und haben keine Ahnung, wo sie sind. Ihr Kavalier dage- gen, Leutnant von Gröningseck, gibt mit geräuschvollem Behagen zu verstehen, daß er sich auf vertrautem Territorium bewegt – viel- leicht tut er es etwas zu laut, zu behaglich. Und in der Tat, kaum hat er es geschafft, nämlich die Mutter mit einem Schlafmittel außer Gefecht gesetzt und die Tochter seiner Mietsleute, wie er es sieht, freundschaftlich vergewaltigt, während das Personal so tut, als höre man nichts von dem. Getöse, das durch die Kammertüre dringt und abebbt: kaum also taucht der Über- winder mit seinem Opfer wieder auf, das ihn mit Vorwürfen über- schüttet, da wird er sehr schnell kleinlaut. Ja, er kapitulierte schon in der Kammer, versprach Evchen die Ehe und bekräftigt das jetzt hoch und heilig. Eine „psychologisch völlig unglaubhafte,“1 „seltsame Bekeh- rung,“2 so rügten Bengt Algot Sørensen und Jörg-Ulrich Fechner – und so rügten schon...

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