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Schulgeschichte in Deutschland

Von den Anfängen bis in die Gegenwart- 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Gert Geißler

Der Autor legt eine Gesamtdarstellung zur deutschen Schulgeschichte vor. Mit der Behandlung wichtiger gesellschaftlicher Bezugsfelder der Schule rückt er Erziehungs- und Sozialisationsverhältnisse in den Blick. In der unmittelbar institutionsgeschichtlichen Dimension macht er vor allem Entwicklungen in Recht und Verwaltung der Schule, in der Schulerziehung, in den Unterrichtsfächern und im Leistungsverständnis sichtbar. Gleichermaßen dargestellt finden sich Schulalltag, Schulbau und die Schulstrukturverhältnisse. In die Betrachtung einbezogen sind außer der Pflichtschule auch die beruflichen Schulen, ebenso die Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung, der Sozialerziehung und der Lehrerbildung. Die Schulpolitik wird mit Blick auf das Agieren des Gesamtstaates, der einzelnen Länder, der Kirchen, von Parteien und Verbänden verdeutlicht. Es werden Bezüge zur internationalen Schulentwicklung hergestellt. Zahlreiche kommentierte Bilddokumente veranschaulichen die einzelnen Sachverhalte.

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2 Brüche in der Ständeordnung

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2.1 Schule und landesherrschaftliche Ordnungsintention Schulvielfalt und neue pädagogische Ideen Schon vordem im Fluss, verbreiten sich im Zuge der europäischen Aufklärung1 seit Beginn, vor allem aber seit Mitte des 18. Jahrhunderts neue Ideen2 der Men- schenbildung3 und einer Reform der Schule nach Inhalt und Methoden4. Mit der Verbesserung der Schulen, mehr noch der Erziehung überhaupt und dem Glau- ben an deren ›Allmacht‹ meinen Pädagogen den Schlüssel zum irdischen Heil der Menschheit gefunden zu haben. Die Hoffnung liegt auf den Heranwachsenden, den Kindern, die, nur recht erzogen, zum Wissen, zu Einsichten und Tugenden gebracht, eine neue, bessere Gesellschaft heraufführen könnten. In einer bis zum Ende des Jahrhunderts zur Flut anwachsenden Zahl von Schriften werden in Schul- und Erziehungssachen immer neue Ideen und praktische Vorschläge un- terbreitet und in einem weit verzweigten, letztlich europäischen Diskurs, der die Übersetzung fremdsprachiger Autoren einschließt, nach allen Seiten hin erörtert. Das geht mit Versuchen einher, die Herrschenden davon zu überzeugen, dass dem Volk Schulbildung zu gewähren nützlich, ja notwendig sei. Auf protestantischer Seite gewinnt seit Jahrhundertbeginn zunächst der Pietis- mus5 wachsenden Einfluss. Er tritt der lutherisch-orthodoxen Geistlichkeit kaum weniger entgegen als der rationalistischen Theologie. Stiftungen6 unterschiedlichs- ter Zweckbestimmung, für höhere Schulen aller Art, für Lehrerswitwen, für der Schulgeldzahlung enthobene Armen- und Freischulen, für Studierende auf Uni- versitäten, werden ins Leben gerufen. Dabei bleibt die religiöse Erziehung in streng geregelten institutionellen Abläufen und rituellen Formen...

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