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Schulgeschichte in Deutschland

Von den Anfängen bis in die Gegenwart- 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Gert Geißler

Der Autor legt eine Gesamtdarstellung zur deutschen Schulgeschichte vor. Mit der Behandlung wichtiger gesellschaftlicher Bezugsfelder der Schule rückt er Erziehungs- und Sozialisationsverhältnisse in den Blick. In der unmittelbar institutionsgeschichtlichen Dimension macht er vor allem Entwicklungen in Recht und Verwaltung der Schule, in der Schulerziehung, in den Unterrichtsfächern und im Leistungsverständnis sichtbar. Gleichermaßen dargestellt finden sich Schulalltag, Schulbau und die Schulstrukturverhältnisse. In die Betrachtung einbezogen sind außer der Pflichtschule auch die beruflichen Schulen, ebenso die Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung, der Sozialerziehung und der Lehrerbildung. Die Schulpolitik wird mit Blick auf das Agieren des Gesamtstaates, der einzelnen Länder, der Kirchen, von Parteien und Verbänden verdeutlicht. Es werden Bezüge zur internationalen Schulentwicklung hergestellt. Zahlreiche kommentierte Bilddokumente veranschaulichen die einzelnen Sachverhalte.

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3 Ausbau des Schulwesens und konservatives Ordnungssystem

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3.1 Schulpolitische Restauration Systemstabilisierung Unter den Bedingungen der Restauration wird das Bildungswesen strenger staats- behördlicher Aufsicht und Kontrolle unterzogen.1 Nach Maßgabe der Karlsbader Beschlüsse von 1819 greift die politische Neuordnung mit Überwachung der Uni- versitäten, Auflösung der Burschenschaften und der Verfolgung von ›Demago- gen‹ insbesondere auch auf Preußen aus. Als künftige Diener des Staates und der Kirche sind vornehmlich Studenten der theologischen und philologischen Uni- versitätsseminare Objekte der Überwachung. Die Personalauswahl für die Lehr- körper an den Universitäten, Gymnasien und auch an den Volksschullehrersemi- naren erfolgt schärfer unter Kriterien politischer Zuverlässigkeit. Das Lehrperso- nal ist verpflichtet, die Schüler und Studenten in jeder Weise von unliebsamen po- litischen Aktivitäten abzuhalten. Der Unterricht wird regulär oder konspirativ in- spiziert und soweit es geht bis hin zur Kontrolle der Privatlektüre reglementiert. Grundsätzlich gilt, dass mit der ›unreifen Jugend‹ nicht zu diskutieren sei, sondern ihr von früh an Gehorsam, Respekt vor der Obrigkeit und den Gesetzen beizu- bringen sei. Es herrscht Pressezensur. Revolutionäre ›Umtriebe‹ werden allgemein verfolgt, abschreckende Exempel statuiert, bürgerliche und antifeudale Volksbewegungen nach Kräften unterdrückt, zugleich die noch vorhandenen Anhänger der früheren Reformbestrebungen auch in der Unterrichtsadministration in ihren Wirkungs- möglichkeiten begrenzt, aus ihren Ämtern verdrängt beziehungsweise nach al- tersbedingtem Ausscheiden durch Exponenten der Gegenpartei ersetzt. Exponenten dieser Politik der seit 1815 im ›Deutschen Bund‹ zusammengeschlos- senen Staaten sind Österreich, Preußen, Hannover, Bayern und...

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