Show Less

Schulgeschichte in Deutschland

Von den Anfängen bis in die Gegenwart- 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

Gert Geißler

Der Autor legt eine Gesamtdarstellung zur deutschen Schulgeschichte vor. Mit der Behandlung wichtiger gesellschaftlicher Bezugsfelder der Schule rückt er Erziehungs- und Sozialisationsverhältnisse in den Blick. In der unmittelbar institutionsgeschichtlichen Dimension macht er vor allem Entwicklungen in Recht und Verwaltung der Schule, in der Schulerziehung, in den Unterrichtsfächern und im Leistungsverständnis sichtbar. Gleichermaßen dargestellt finden sich Schulalltag, Schulbau und die Schulstrukturverhältnisse. In die Betrachtung einbezogen sind außer der Pflichtschule auch die beruflichen Schulen, ebenso die Einrichtungen im Bereich der frühkindlichen Erziehung, der Sozialerziehung und der Lehrerbildung. Die Schulpolitik wird mit Blick auf das Agieren des Gesamtstaates, der einzelnen Länder, der Kirchen, von Parteien und Verbänden verdeutlicht. Es werden Bezüge zur internationalen Schulentwicklung hergestellt. Zahlreiche kommentierte Bilddokumente veranschaulichen die einzelnen Sachverhalte.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

6 Schule im nationalsozialistischen Deutschland

Extract

6.1 Machtübernahme und Folgen Vorgeschichte Bei den Reichstagswahlen votiert Ende Juli 1932 weit mehr als ein Drittel der Wähler für die Sozialde- mokraten oder die Kommunisten, für Parteien, die, wenn auch grundver- schiedenen politischen Konzepten verschrieben, eine Schulreform, im Kern die Forderung nach Einheit- lichkeit und Weltlichkeit der Schule, unterstützen. Zwar schwächer, jedoch gleichfalls stark vertreten bilden das der politischen Mitte nahe katholi- sche Zentrum und die rechtsge- richtete Deutschnationale Volkspartei den konservativen schulpolitischen Gegenpol. Gewaltbereiter Gegner der ›marxisti- schen Front‹ ist mit etwas mehr als einem Drittel der Reichstagsmandate die NSDAP. Mit der Machtübernah- me dieser Partei, die in ihrer Wahl- propaganda ›göttliche Gnade‹ in An- spruch nimmt, Religion zu ihren Er- ziehungsprinzipien rechnet, gleicher- maßen durch Verweise auf ›Deutsch- tum‹ und ›Tatkraft‹ Wähler gewinnen kann, wird wenige Monate später die demokratische Schulwelt der Weimarer Re- publik, von den Nationalsozialisten in maßloser Polemik der ›Zerstörung na- tionaler Werte und Würde‹ bezichtigt, untergehen. Schon seit Mitte der 1920er Jahre, mit einem neuen Schub dann 1930, ist nach dem Sturz der sozialdemokratischen Regierung insbesondere Thüringen1, mehr noch als Bayern, zum Sammelpunkt und Experimentierfeld nationalsozialistisch- völkischer Bewegungen geworden, hier verschweißt mit den konservativ Bürgerli- chen und Deutschnationalen zum ›Ordnungsblock‹. Im Juli 1926 paradieren auf dem Reichsparteitag der NSDAP in Weimar die ersten Gruppen der Hitler-Ju- gend (HJ)2 in einheitlicher Uniform. Starken Anhang gewinnen die Nationalsozia- 1 Siehe Führ, Christoph: Zur Schulpolitik der...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.